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Ist es GTA? Ist es GTA in einer futuristischen Szenerie? Nein, es ist Crackdown. Erstmals wurde der Actiontitel aus dem Hause Real Time Worlds vor über einem Jahr auf der X05 gezeigt, bevor eine wahre Screenshot- und Informations-Flut nicht abriss. Dann die erschreckende Nachricht zum Neujahrsbeginn 2007: Crackdown erscheint nicht in Deutschland! Grund dafür war die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, kurz USK, die dem Comic-Style Actiontitel eine Alterskennzeichnung verweigerte. Publisher Microsoft entschied daraufhin, den Titel hierzulande nicht zu veröffentlichen, da er womöglich der Gefahr einer Indizierung ausgesetzt worden wäre.
Mit der Ende Januar erschienenen Demo konnte eine große Fanlobby erreicht werden, was dazu führte, dass der Enthusiasmus im Bezug auf Crackdown ins Unermessliche stieg. Wir haben uns den Weg durch die Schlangen unseres Importhändlers gebahnt und uns ein Exemplar sichern können. Die harten Fakten vermitteln wir euch nun in unserer ausführlichen Review.
Grand Theft Auto im Crackrausch
Eine Handlung im herkömmlichen Sinne gibt es nicht, das Spiel lässt euch vielmehr den Freiraum, den man sich in manch anderen Spielen wünscht: Ihr startet euer Abenteuer in der futuristischen Metropole Pacific City, in der die Hölle los ist und die Polizei unlängst machtlos der Vielzahl an skrupellosen Verbrechern gegenübersteht. Die Stadt wird von drei großen Verbrechenskartellen auf insgesamt drei Inseln heimgesucht. Um dieser Gewaltwelle Herr zu werden, nutzt die Agency die Arbeiten des geächteten Wissenschaftlers Dr. Baltasar Tschernenko. Durch sein Programm werden Agenten geschaffen, denen beispiellose Entwicklungs- und Regenerationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Voll und ganz auf euch alleine gestellt und ohne fremde Hilfe, macht sich der wortkarge Held auf, den insgesamt 21 bösen Gangsterbossen das Handwerk zu legen. Ihr startet im Agenten-Hauptquartier, wo euch zunächst grundlegende Bedienelemente dargelegt werden, damit es im späteren Spielverlauf zu keinen Komplikationen kommt. Das ist aber auch weniger der Fall, denn das Spielprinzip orientiert sich streng an dem von Saints Row und Grand Theft Auto, nur mit dem Unterschied, dass ihr in Crackdown nicht als kleinkarierter Gangster euer Unwesen treibt, sondern als Cop durch die Straßen der Stadt schlendert. Aber auch im Real Time Worlds Titel steuert ihr euer Alter Ego in bester Third Person Manier durch die offene Spielwelt, auf der ihr mittels der so genannten Nachschubpunkte, deren Standpunkte auf der Karte symbolisiert werden, den Ort beliebig oft wechseln dürft.
Bevor es losgeht, wählt ihr zunächst einen der drei Schwierigkeitsgrade. „Hart“, was sich zunächst schwer anhört, ist die leichteste Spielstufe und lässt sich meist gut bewältigen. Bei „Skrupellos“ sollte euch bewusst sein, dass der direkte Weg mit Dauerfeuer zum Gegner nicht immer der cleverste ist. Im Modus „Irre“ schließlich gewinnt ihr nur, wenn ihr euer Handwerk perfekt beherrscht und den geschickten Einsatz der Granaten zu schätzen wisst. Anschließend sucht ihr euch ein Spielermodell aus, das man nicht zwingend das komplette Spiel über behalten muss, sondern nach Lust und Laune auch ändern darf. Einen Charaktereditor gibt es jedoch nicht.
Rollenspiel im Action-Universum
Damit Crackdown nicht in eine stupide Missionsabfolge verfällt, hat ein Element Einzug gefunden, nach dem man in vergangenen Actiontiteln vergebens suchen musste: Eurer Held hat fünf Superkräfte, dessen Attribute sich sukzessiv weiterentwickeln. Sei es etwa die Schnelligkeit, die Sprungkraft oder gar die eigene Stärke – spätestens nach den ersten zwei Spielstunden überwindet ihr via Luftweg selbst die größten Hindernisse, lasst ganze Häuserschluchten mit einem beherzten Sprung hinter euch und klettert Häuser empor. Will man einem Scharmützel entfliehen, stellt dies aufgrund der später schieren Schnelligkeit auch kein Problem dar. Ihr verfallt früher oder später in den Bann der 'freien Stadt', nehmt dies wörtlich und macht nach allen Regeln der Kunst die Metropole unsicher und vergesst förmlich eure Hauptaufgabe, weil es in Crackdown so viele Spielabschnitte gibt, die man unter anderem erst im späteren Spielverlauf mit erhöhtem Level erreicht. Ferner liegt es an euch, die verschiedenen Extras in Pacific City einzusammeln, die allerdings nicht klar ersichtlich auf der Straße herumliegen, sondern vielmehr auf Häuserdächern oder in Hinterhöfen versteckt sind und zunächst akribisch gesucht werden wollen. Sammelt ihr die grünen und blauen Orbs ein, werdet ihr mit zusätzlichen Attribut-Boni belohnt, was dazu führt, dass euch schon bald das Sammelfieber einholt.
Der Blick in den Waffenschrank dürfte ein breites Grinsen auf das Gesicht von Fans geballter Action zaubern. Von Handfeuerwaffen, über Granaten bis hin zu Raketenwerfern wird alles geboten, was das Spielerherz begehrt. Das Problem liegt darin, dass ihr zur gleichen Zeit lediglich zwei Waffen mit euch tragen dürft, diese jedoch zu jeder beliebigen Zeit eintauschen dürft, sofern ihr ein Tötungsutensil auf dem Boden findet. Das Zielsystem geht nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über. Ihr visiert euren Gegenüber mit dem LT-Button an, während ihr ihm eure Feuersalven mit dem mit RT-Schulterknopf zu eurem Besten gebt. Mit dem rechten Analogstick dürft ihr das Fadenkreuz ein kleines Stück korrigieren. Handgranaten landet ihr mit LT.
Das Zielsystem hat aber auch seine Schattenseiten, da in hektischen Situationen die Kontrolle über das Kampfgeschehen gänzlich verloren geht. Habt ihr nämlich einen Feind zum Versiegen gebracht, visiert das Fadenkreuz nicht automatisch zum nächsten Gegner, sondern wartet darauf, dass der Button erneut gedrückt wird. Das ist nicht nur nervig, sondern lässt euch in späteren Schusswechseln des Öfteren den Controller am liebsten in die Ecke schmeißen, zumal ihr nach eurem Ableben wieder an einem der Nachschubpunkte beginnen müsst. Abhilfe schafft das Nahkampfsystem, das mit seinen relativ rar gesäten Kombos zwar nicht komplett ausgereift wirkt, aber dennoch gut von der Hand geht und auch für jede Menge Spielspaß sorgt. Besonders makaber ist die Tatsache, dass auf dem Boden liegende Feinde einen superben Kugelfang abgeben. Ein handfester Grund, warum die USK dem Titel eine Altersfreigabe verweigerte. Jeder vernichtete Gegner erzeugt übrigens Erfahrungspunkte im Bezug auf eure Waffenfähigkeit, die automatisch gutgeschrieben werden.
Hier kommt außerdem die gigantische Levelarchitektur zum Einsatz, die ihr kräftig zweckentfremden dürft. Ob Autotür oder Sprengstofffass, ihr reißt eines der über 500 Objekte aus der Wand und benutzt es anschließend als Verteidigung oder Angriffswaffe gegen eure Kontrahenten. Das macht nicht nur Laune, sondern lässt auch Raum für jede Menge Experimente, denn Pacific City erstreckt sich über eine gigantische Größe.
Wer sich seinen Weg nicht nur per pedes bahnen möchte, beschlagnahmt kurzerhand eines der reichlich gesäten Autos, die durch die Metropole fahren, und nimmt hinter dem Steuer platzt. Da ihr ein Gesetzeshüter seid, müsst dafür noch nicht einmal eine Straftat begehen. Man stellt sich einfach auf die Fahrbahn und fängt per „Carnapping“ ein Vehikel ab. Wesentlich effizienter ist das Benutzen abgestellter Fahrzeuge, die gelegentlich am Straßenrand oder auf Parkplätzen vorgefunden werden. Besonders interessant ist das Weiterentwickeln der fahrbaren Untersätze. Mit ansteigendem Level werden sie nämlich mit immer besseren Fähigkeiten ausgestattet, etwa einem besseren Fahrverhalten oder härterer Panzerung. Ein wenig schmerzlich vermisst werden allerdings Wasserfahrzeuge, denn aufgrund der Tatsache, dass die Metropole am Meer liegt, hätten sich diese geradezu angeboten. Auch Zweiräder, Flugzeuge und Hubschrauber sucht ihr vergebens. Die Entwickler haben sich vielmehr auf die Vierradvehikel fokussiert. Segnet euer Held einmal das Zeitliche, wird er sofort in das Hauptquartier teleportiert. Dort steht ein schwerer Agency-SUV mit einer guten Panzerung, ein sportliches Agency-Supercar, und ein gepanzerter Agency-Truck-Cab, welcher ohne Rücksicht auf Verluste alles platt macht, was den Weg blockiert.
Auf Abwegen in Nebenmissionen
Während man mit der Hauptstory gut 10-12 Stunden beschäftigt ist, säumen abseits der Haupthandlung immer wieder die verschiedensten Aktivitäten euren Weg, die durch eine lila bzw. grün leuchtende Lichtquelle symbolisiert werden. Lauft ihr darüber, stellt euch das Spiel vor die Entscheidung, ob ihr die Herausforderung annehmen möchtet oder nicht. Da gilt es Rennmissionen zu Fuß oder per Straßenrennen zu erledigen. Hierbei bleibt zu erwähnen, dass das knapp bemessene Zeitlimit kaum Raum für rücksichtsvolles Fahren bietet, da euch zu jeder Zeit die Uhr im Nacken sitzt. Hinzu kommen die reichlich gesäten Zivilsten, die bei der rücksichtslosen Fahrweise durch die Großstadt schnell auf eurer Autohaube landen, was dazu führt, dass ihr kurze Zeit später nicht nur die Uhr, sondern auch die örtlichen Gesetzeshüter im Nacken habt. Ja, richtig gehört. Obwohl ihr als Super-Polizist umherstreunt, spricht das Recht des Gesetzes bei haltlosen Amoklaufen auch gegen euch. Gänzlich ungefährlicher sieht es mit den Rennmissionen per pedes aus. Ihr durchlauft eine Abfolge von Checkpoints, die sich meist auf opulenten Gebäuden befinden, während eine erbarmungslos abwärtszählende Anzeige am oberen Bildschirmrand den aktuellen Stand der noch verbleibenden Zeit dokumentiert. Als Belohnungen winken verbesserte akrobatische Fähigkeiten.
Kommen wir zu einem der wichtigsten Punkte, der künstlichen Gegner Intelligenz. Die k.I. der Gegner hat sicherlich schon bessere Tage erlebt, weil die Computergegner teilweise relativ unglücklich agieren und sich nicht immer so verhalten, wie man es in Actionspielen sonst gewohnt ist. Zwar verstecken sich die Recken gelegentlich und versuchen, euch mit Handgranaten das Leben zu erschweren, aber nur in den seltensten Fällen werden sie euch in einer geringen Stückzahl gefährlich. Nur in großen Gruppen heizen sich euch so richtig ein.
Actionreiche Multiplayer Scharmützel mit Mankos
Nachdem Gears of War aus dem Hause Epic Games bereits gezeigt hat, was einen guten Multiplayer Modus ausmacht, greift auch Crackdown diese Spielmechanik auf und die Entwickler konzipierten einen abwechslungsreichen Mehrspieler Modus, in dem maßgeblich die Xbox Live Anbindung eine tragende Rolle spielt. Natürlich dürft ihr euch auch via System Link messen, der Spielspaß aus den globalen Scharmützeln wird aber nicht erreicht. Im kooperativen Storymodus erlebt ihr die pure Nonstop-Action gemeinsam und macht Pacific City unsicher. Jeder Teilnehmer sucht sich vor Beginn ein altes Ego aus und zieht ins Gefecht. Positiv fiel uns auf, dass man in sein laufendes Spiel zu jeder Zeit einen Freund um Hilfe bitten kann, bevor dieser dem Spiel beitritt. Dann geht es gemeinsam auf Orb-Jagd oder dem Absolvieren der Missionen. Völlig im Dunklen tappen Spieler, die sich lieber in den obligatorischen Spielvarianten wie Deathmatch oder Team-Deatchmath ein Stelldichein geben, da man außer dem kooperativen Zwei-Spieler-Modus bislang jegliche andere Matchart vermisst. Gerüchten zufolge will Real Time Worlds diese Matchvarianten für bis zu 16 Spieler in Form eines Patches nachliefern.
Während unserer Testsession lief Crackdown im Xbox Live Modus absolut flüssig und kam ohne nennenswerte Lags aus, sporadisch aufpoppende Framerateeinbrüche können gerne verziehen werden. Die Spielervermittlung ging sehr flott und die actionreichen Gefechte verloren selbst nach etlichen Stunden nicht an Spielspaß.
Technischer Comic-Style
Bleibt unterm Strich nur noch ein Sektor zu erwähnen: die audiovisuelle Umsetzung. Technisch ist der Titel schließlich ein zweischneidiges Schwert. Was allseits auf kontroverse Meinungen stoßen dürfte, ist der mit schwarzen Umrandungen präsentierte Comic-Look, den das schottischen Entwickler Studio wählte. Klar, die Cel Shading Explosionen sehen verdammt schick aus und lassen die Muskeln der Xbox 360 gewaltig spielen, die Realitätsnähe wie ein Gears of War kann aber nicht erreicht werden. Im gleichen Zuge sei die enorme Weitsicht erwähnt, die während unserer Testphase selbst auf großen Gebäuden die Passanten auf der Straße in Szene setzte. Vereinzelte Ruckeleinlagen hingegen konnten nicht übersehen werden. Schade, aber verständlich, wenn man bedenkt, dass sich meist mehr als 50 Personen auf dem Bildschirm tummeln und kein einziges Mal nachgeladen werden muss, was wiederum dem Spielfluss zugute kommt. Die Charaktere sind mit viel Liebe zum Detail geschmückt worden, auch wenn sie sich nicht großartig untereinander differenzieren. Immerhin sind die geschmeidigen Animationen sehenswert, während die Stadt mit allerlei Details verziert ist. Die Havok 3-Physikengine erlaubt es zudem, die physikalischen Abläufe täuschend real umzusetzen.
Einen Bereich, der für Besitzer einer Dolby Surround Anlage mindestens genau so wichtig ist, wie der visuelle Faktor, stellt der Sound dar. Hier verwöhnen dröhnende Motoren- und knallharte Waffengeräusche die Ohren mit knackigen Soundeffekten. Die musikalische Untermalung wird außerdem von über 100 lizenzierten Musikstücken untermalt, die zwischen Rock und Electro angesiedelt sind. Eine deutsche Synchronstimme informiert euch über wichtige Geschehnisse, etwa wenn ihr euren ersten Levelanstieg vollzogen habt.
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