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Nachdem mit Call of Duty: Finest Hour der erste Versuch, einen ernsthaften Medal of Honor-Konkurrenten für die Heimkonsolen ins Rennen zu schicken, gescheitert war, haben die Entwickler von Treyarch sich für den Nachfolger Call of Duty 2: The Big Red One einiges vorgenommen. Mehr Abwechslung, interessantere Settings und eine noch fesselndere Atmosphäre sollen die verschreckten Fans zurück an die Front holen. Unser Review wird euch verraten, ob ihnen dies gelungen ist
Same procedure as last time?
Die erste große Neuerung gleich vorweg: In Call of Duty: The Big Red One seid ihr mit einem kleinen Team US-amerikanischer Soldaten unterwegs. Jede Mission wird von einem kurzen historisch angelegten Film im Stil der Wochenschau eingeleitet. Zu Beginn erhaltet ihr einen kurzen Missionsüberblick, wobei dies nicht in einem Briefing-Room geschieht, sondern mitten auf den Schlachtfeldern. Apropos Schlachtfelder: Hier haben sich die Entwickler diesmal erkennbar mehr Mühe gegeben und weniger bekannte und gleichzeitig abwechslungsreichere Szenarien, wie zum Beispiel die Insel Sizilien mit eingebaut.
Ein weiterer großer Pluspunkt im Vergleich zum Vorgänger ist die bessere Identifikationsmöglichkeit mit den einzelnen Teammitgliedern. Durch Unterhaltungen der Soldaten mit euch und untereinander, erfahrt ihr viel über ihre Sorgen, Ängste und Nöte. Aber auch über das Geschehen außerhalb des Kriegsalltags. Anklänge an Filme wie „Band of Brothers“ oder „Der Soldat James Ryan“ sind nicht nur zufällige Launen der Autoren, sondern stehen eindeutig im Storyvordergrund. Die Zwischensequenzen, in denen ihr innerhalb der einzelnen Missionen mehr über eure Kameraden und eure Aufgaben erfahrt, wurden alle in Ingame-Grafik gehalten und fügen sich dadurch nahtlos ins Geschehen ein. Sämtliche Charakteranimationen wurden mit Motion Captureing eingefangen und wirken meistens recht lebensecht.
Die Mischung machts
Neben Standartaufträgen wie Konvoi-Begleitung, Personenschutz und massenweise Gegner ausschalten, gibt es eine Reihe von Spezialaufträgen. Besonders gefallen haben uns die Missionen, in denen der Hauptcharakter in einem Panzer sitzt und feindliche Stukkas vom Himmel holt, und eine Mission, in welcher ihr als Bomberpilot gegnerische Schiffe und Raffinerien zerstört. Doch wer nun denkt, dass dies recht simpel gestrickt ist, irrt gewaltig. Denn technische Schwierigkeiten, wie klemmende Bombenluken gehören ebenso zum actionreichen Soldatenleben, wie die Besetzung verschiedener Positionen innerhalb eines Flugzeuges. Denn während ihr euch primär um das Bombardement kümmern sollt, werdet ihr ganz plötzlich von einer deutschen Flugstaffel angegriffen. Also heißt es: Ab nach hinten und MG-Salven verteilen bis alle Maschinen abgeschossen sind. Diese unvorhersehbaren Wendungen und abwechslungsreichen Aufgaben machen den Reiz des Spiels aus.
Während in den meisten WWII-Shootern die Zeichen zugunsten der Alliierten stehen, sieht es bei CoD2: The Big Red One alles andere als gut für unsere „Good Guys“ aus. Vor allem in der „italienischen Mission“, die wie bereits erwähnt unter anderem auf Sizilien spielt, habt ihr es mit größeren Feindesverbänden (primär aus der Luft) zu tun.
Eigentlich gibt es bei CoD-Titeln ähnlich wie denen der MoH-Reihe immer etwas zu bestaunen, so dass es kaum möglich ist, alles zu erfassen, was auf dem Bildschirm passiert. Ein Beispiel: Ihr befindet euch in den Ruinen einer ehemaligen sizilianischen Festungsanlage. Unter euch halten sich einige Soldaten auf, die es zu eliminieren gilt. Während ihr euch mit den zähen Kämpfern auseinander setzt, erkennt ihr, wie in der Ferne zig Soldaten einen Hügel hinab gelaufen kommen. Doch Gott sei Dank werden diese gleich darauf von euren Verbündeten abgefangen, so dass ihr euch auf das Wesentliche konzentrieren könnt. Einige Szenen später befindet ihr euch in der Normandie und müsst mittels Fernglas feindliche Stellungen markieren. Diese werden dann unter schweres Artilleriefeuer gelegt. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Denn genau wie im wahren Leben, sollte der virtuelle Soldat sich nicht unbedingt im Radius der Artillerie befinden, da dies auch euch mit in den Tod reißen würde. Realismus steht wie ihr unschwer erkennen könnt an erster Stelle.
Auch bei der Wahl der Waffen wurde auf Authentizität großen Wert gelegt. Nicht nur, dass alle Waffen ihren historischen Vorbildern gleichen. Sie haben auch mit technischen Problemen zu kämpfen. Ladeschwierigkeiten machen euch ebenso zu schaffen, wie die mögliche Überhitzung diverser Gerätschaften. Natürlich lassen tote Soldaten ihre Waffen samt Munition und das eine oder andere Medipack liegen. Dadurch gibt es eigentlich äußerst selten eine wirkliche Knappheit an Inventargegenständen.
All together now!
Neben dem Singleplayer verfügt Call of Duty: The Big Red One auch über einen umfangreichen Multiplayermodus. Unterstütz wird neben dem obligatorischen Xbox-Live Service auch System Link. Mit bis zu sechzehn Spielern könnt ihr eure Gefechte starten. Deathmatches, Capture the Flag, TDM und Domination stehen für euch zur Wahl. Quick Match, OptiMatch und Create a Match sind selbstverständlich enthalten. Hier sei vor allem zu erwähnen, dass höhere gerankte Spieler einen deutlichen Vorteil haben. Sie können wesentlich mehr Gepäck mitnehmen, Luftunterstützung anfordern, Teammitglieder oder sich selbst heilen und vieles mehr. Insgesamt laufen die Multiplayerschlachten mit konstanter Framerate ab, so dass es nur bei aufwendigen Maps mit vielen Gegnern kommt es ab und an zu kleineren Slowdowns.
Wo wir sind ist die Front
Die beiden wichtigsten Faktoren, mit denen vor allem Konkurrent „Medal of Honor“ bei den Fans punkten konnte, waren Grafik und Sound. Hierdurch entstand stets eine absolut dichte Atmosphäre. Und hier patzte Teil eins in einigen Belangen. Vom historischen Standpunkt, dem akkuraten Umsetzung und den geskripteten „Events“ gibt es kaum etwas zu kritisieren. Sämtliche Szenarien wurden sorgfältig gestaltet und warten mit zahlreichen Details auf. Auf Sizilien wechseln römische Architekturen mit überwucherten Ruinen mit typischer Landschaft ab. In der Bretagne trefft ihr auf Windmühlen und kleine malerische Dörfer im Fachwerkstil. Wasser- und Wetteranimationen gehören zwar nicht in die grafische Oberklasse einer Xbox, sind aber durchaus dem optischen Gesamtrahmen entsprechend eingefügt worden. Die Landschaftstexturen, welche ihr beim Überfliegen mit dem Bombergeschwader ausmachen könnt, reichen an Qualitäten so mancher Flugsimulatoren heran.
In meinem Wohnzimmer steht ein Orchester…
… das zumindest könntet ihr annehmen, wenn ihr über eine leistungsstarke Soundanlage verfügt. Gerade die Soundfiles kommen zum Teil recht brachial rüber. Wenn ihr auf einem Hangar kämpft und in einer Flak angreifende Stukkas abfangt, bohren sich diese mit einem gewaltigen Knall in den Boden oder zerschellen nicht minder eindrucksvoll an einem nahe gelegenen Berg. Gleiches gilt für die Kommunikation. An nahezu jeder Stelle geschieht irgendetwas. Verwundete rufen nach Sanitätern, Eingekesselte nach Verstärkung und eure Teammitglieder nach eurer Hilfe. Der orchestrale, aber oft situationsabhängige Soundtrack setzt dem Ganzen die akustische Krone auf.
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