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Zur alteingeschworenen Ideologie der Videospielebranche gehört mittlerweile das Thema „Kinofilmumsetzungen“ fast schon, wie das jährliche Sportspiele-Update im Hause Electronic Arts. Kein Wunder, dass der fette Oger Shrek in seinem dritten Abenteuer parallel zur Kinoleinwand auch seine Fäuste auf der Xbox 360 fliegen lässt. Ödes Lizenz-Action-Adventure oder doch ein Titel, den sich gerne auch Oger-Hasser auf die Wunschliste schreiben dürfen? Ihr erfahrt es in unserem Review.
Vertraute Zweisamkeit...
Als Shrek und Fiona in den Hafen der Ehe einfahren, hätte niemand damit gerechnet, dass Shrek eines Tages König von „Weit Weit Weg“ werden würde. Da sein Schwiegervater, König Harold, ernsthaft erkrankt, wird der giftgrüne Oger genau mit diesem Schicksal konfrontiert. Doch Shrek kann sich mit diesem Gedanken überhaupt nicht anfreunden und macht sich mit seinen treuen Gefährten, dem quasselnden Esel und dem Gestiefelten Kater, voller Elan auf, um einen passenden Thronfolger für das Königreich zu suchen. Der vielversprechendste Anwärter für diese Aufgabe scheint Fionas aufmüpfiger Cousin Arthus zu sein. Er ist von der Idee zunächst aber gar nicht begeistert, zumal er von Natur aus ein eher fauler Schüler an einer mittelmäßigen Akademie ist. Die Abwesenheit des aufgeblähten Haudegens nutzt Prinz Charming währenddessen, um den Thron mit einer Armee Märchenbösewichte umgehend einzunehmen.
Shrek, wie er leibt und lebt
So viel zur Hintergrundgeschichte von „Shrek der Dritte“. In dem lupenreinen Action-Adventure schlüpft ihr abwechselnd in die Pantoffeln des namensgebenden Helden, dem Gestiefelten Kater, Arthus, Dornröschen, Shreks Ehegattin Fiona und dem unterentwickelten Esel, mit denen ihr insgesamt 20 strickt lineare Level durchlauft. Dabei seid ihr die meiste Zeit damit beschäftigt, bösen Buben das Fürchten zu lehren.
Hierbei stehen jedem Protagonisten zwei Angriffsmöglichkeiten zur Verfügung. Entweder ihr hämmert auf den X-Knopf eures Gamepads, um einen normalen Angriff vom Stapel zu lassen, oder benutzt den B-Button für eine effektivere Attacke. Das Kampfsystem ist vom Prinzip her aber sehr simpel gestrickt, artet aber schon nach kurzer Zeit zum reinsten Button-Mashing aus, vor allem wenn ein halbes Dutzend Schergen an eure grüne Ogerhaut will. Wenn alle Stricke reißen und eure Spezialanzeige mindestens zu einem Drittel gefüllt ist, könnt ihr alternativ auf Knopfdruck eine Spezialattacke zum Besten geben. Sofern die Anzeige komplett gefüllt ist, dürfen Shrek und Fiona zeitweise im Matrix ähnlichen Zeitlupeneffekt ihren Feinden einheizen. Das sieht zwar sehr nett aus, kommt aber nicht ansatzweise an die coolen Szenen des Originals heran.
Die sporadischen Schalter- und Schieberätsel sind kaum der Rede wert, da sie zu keiner Zeit den Gehirnschmalz des Spielers auf die Probe stellen. Mal gilt es, eine Kiste an einen günstigen Punkt zu schieben, um eine ansonsten unerreichbare Plattform zu erklimmen, woanders seid ihr dazu verdammt, Schalter in einer richtigen Kombination zu aktivieren. Eingeheimste Goldmünzen werden übrigens später gegen neue Minispiele, Schwierigkeitsgrade und Spezialfertigkeiten im Geschenkeshop eingetauscht.
Während eures Abenteuers verpasst euch außerdem die miserable Kameraführung einen spielerischen Dämpfer. Der Bildausschnitt lässt sich zwar auf Wunsch vergrößern, bzw. verkleinern, letztendlich wirkt die Kamera aber viel zu dicht am Spielgeschehen platziert und wenn sich eure Spielfigur an einer Wand oder in einer Ecke befindet schafft es die Kamera schlichtweg nicht, dort hin zu schwenken. So bleibt euch nicht selten die Sicht vorenthalten und ihr stürzt unweigerlich in einen Abgrund– ärgerlich.
S(c)hrecklich komisch
Einen der grandiosesten Pluspunkte von „Shrek der Dritte“ stellt der abstruse Humor dar. Nicht nur die wahnwitzigen Animationen der Charaktere, sondern allem voran die humoristischen Floskeln, welche einige Charaktere von sich geben, entlocken euch das eine oder andere Schmunzeln von den Lippen. Für amüsante Unterhaltung sorgen originelle Ideen, wie die Puppentheater-Aufführung, die im Verlaufe der Geschichte immer wieder aufgegriffen wird und in großen Zügen an eine im Mittelalter angesiedelte Casting-Show erinnert. Ebenfalls die in Form eines Kasperletheaters inszenierten Zwischensequenzen schaffen einen gelungenen Humor.
Leider hält das unterhaltsame Oger-Abenteuer viel zu kurz bei der Stange. Geübte Spieler werden schon nach 6 Stunden den Abspann in Augenschein nehmen, während auch Novizen nicht über die einstellige Stundenspielzeit hinwegkommen dürften. Das ist vor allem deswegen ärgerlich, da auch abseits der Haupthandlung kaum etwas geboten wird, sprich der Offline-Mehrspieler Modus hätte ausgereifter ausfallen können. In einem halben Dutzend Minispielen tretet ihr gegen eure Freunde an und versucht beispielsweise mittels Katapult die Festung eures Gegners so schnell wie möglich zu zerstören oder Tomaten auf bewegliche gegnerische Ziele zu werfen. Via Xbox Live gibt es leider keine Spielvarianten.
Audiovisuelle Katastrophe?
Lassen wir zum Ende unseres Reviews noch kurz den technischen Aspekt auf uns wirken. Grafisch ist der Activision-Titel nämlich bei weitem nicht mehr auf der Höhe der Zeit und hat an allen Ecken und Kanten optische Tristesse vorzuweisen. Die Texturen sind schwammig und die Animationen teils sehr hölzern. Die bei hohem Gegneraufkommen instabile Framerate setzt dem Ganzen die Krone auf. Vor dem Totalabsturz können hingegen die detailverliebten Charaktere retten, die ihren Ebenbildern aus dem Kinofilm in nichts nachstehen. Sympathisanten der Filmvorlage wird vor allem freuen, dass man die deutschen Original-Synchronsprecher aus dem Kinostreifen für die Videospiel-Umsetzung gewinnen konnte.
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