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Wie es zum guten Ton eines jeden Kinofilms gehört, gebührt jeweiligem Streifen auch eine gleichnamige Videospielumsetzung. Im Falle von Spider-Man 3 hat sich Activision dies zur Aufgabe gemacht und das dritte Leinwandabenteuer der heroischen Spinne auf die Xbox 360 portiert. Nachdem der Kinostreifen bereits ein Millionenpublikum in seinen Bann zog, sind die Erwartungen an das Xbox 360 Abenteuer dementsprechend hoch gesteckt. Kann sich Spider-Man 3 wirklich gegen das Klischee mittelmäßiger Kinofilmumsetzungen erwähren oder fesselt das Spiel lediglich für wenige Stunden und staubt fortan im hauseigenen Spieleregal ein? Unser Review verrät, ob es sich bei Spider-Man 3 um eine weitere Kinofilmverwurstung mit wenig Tiefgang handelt oder sich doch als unerwartetes Prunkstück herausstellt.
Schwing dein Ding
Das Spielkonzept, welches die GTA-Serie berühmt gemacht hat, genießt in Spider-Man 3 oberste Priorität: Eine frei begehbare Stadt, die euch jegliche Handlungsfreiheit einräumt, ist das Resultat der Entwicklungsarbeit. Während ihr euch also so elegant wie möglich mit eurem Superhelden zu Luft den Weg durch gähnende Hauscherschluchten Manhattans spinnt, solltet ihr erster Linie natürlich die Story relevanten Missionen absolvieren. Allen, denen bislang der Kinostreifen im örtlichen Lichtspielhaus entgangen ist, sei gesagt, dass von der Hintergrundgeschichte in Spider-Man 3 nur teilweise Gebrauch gemacht wird und sich lediglich in groben Zügen im Videospiel wiederfinden lässt. Das heißt im Klartext, dass zwar die aus dem Film bekannten Bösewichte, wie der neue grüne Kobold, Venom und der Sandman, nach allen Regeln der Spinnenkunst verdrescht werden wollen, im eigentlichen Sinne dreht sich aber alles um Prävention von Kleinkriminalität. Darüber hinaus findet auch die herzzerreißende Liebesbeziehung zwischen Peter Parker und Mary Jane Watson gebührende Auftritte.
Wo im Leinwandabenteuer weite Teile des Films zu überfrachtet wirken und viele Elemente der Handlung nur oberflächlich angekratzt wurden, fallen diese Mankos im Spiel kaum auf, ist die Spielzeit mit seinen rund 42 Missionen doch auf gut sieben bis neun Stunden angesetzt. Verbucht man zudem die kleineren Nebenmissionen, die den Spielablauf anreichern, hält das Spinnenabenteuer den Durchschnittsspieler für circa 12-15 Stunden bei der Stange. Somit gibt es auch abseits der Haupthandlung keine Verschnaufpausen und der arachnide Held hat alle Hände voll zu tun, die Schergen in die Schranken zu weisen. Mal geht es auf Insektenjagd in der New Yorker Kanalisation, bei einem anderen Auftrag müsst ihr hingegen die Ausbeutung einer Teddybär-Fabrik vereiteln. Das Missionsangebot ist nicht nur facettenreich, sondern bringt auch eine Prise Humor mit sich.
An dieser Stelle werden sich viele Videospieler mit großer Wahrscheinlichkeit an die nervenzerreißenden Nebenmissionen aus dem Vorgänger erinnern. Anno 2007 wirken diese glücklicherweise nicht mehr so eintönig, wie es noch im Vorgänger der Fall war. Haben sich diese in den letzten Teilen noch auf die Hatz nach kampfsüchtigen Kleinkriminellen beschränkt, um ihnen schließlich den Hintern zu versohlen, betreten die Entwickler diesmal Neuland. So müsst ihr beispielsweise beim Modus "Fallschirm" im freien Fall vorgegebene Ringe passieren oder euch als freier Fotograf im Spinnenköstum durch Manhattan schwingen und mit eurer Hightech-Kamera Katastrophen oder Ungeheuer für die Daily Bugle abzulichten. Besonders stimmig, wenn auch nur nettes Beiwerk, sind die Missionen, in denen ihr Peter Parkers Schwarm Mary Jane Watson über eurer Schulter tragt und mit ihr eine Erkundungstour durch die Stadt unternehmt. Der Clou bei der Sache: Die rothaarige Schönheit gibt euch währenddessen Anweisung, dass ihr etwa dicht über den Boden schwingen oder einen furiosen Geschwindigkeitsrausch starten sollt.
Böse bis auf die Knochen
Einer der wohl interessantesten Aspekte der dritten Spider-Man Auskopplung ist die neu eingebettete dunkle Seite der Kräfte, wobei sich Spidey in ein schwarzes Spinnen-Kostüm wirft. Dass dies nicht nur modische Veränderungen mit sich bringt, stellen die daraus resultierenden brachialen Kräfte unter Beweis, durch die Spider-Man mehr Lebensenergie verliehen bekommt und resistenter wird. Doch Vorsicht: Tragt ihr den Anzug zu lange, verfällt Spider-Man womöglich der dunklen Seite und erliegt dem vorzeitigen Spinnentod.
Schade nur, dass man erst nach einigen Spielstunden in das düstere Outfit schlüpfen darf. Außerdem kann der Anzug nicht auf Knopfdruck gewechselt werden, sondern er ist ein Element des Handlungsstrangs. Wäre dieses Feature doch ideal dafür gewesen wäre, als reumütiger Fiesling durch die Straßen New Yorks zu ziehen, was dem Spiel noch einen weiteren Anreiz gegeben hätte.
Akrobatisches Spinneninferno
Wenn Unschuldige Gefahr laufen den Klauen des Bösen zum Opfer zu fallen, wird es für Peter Parker höchste Zeit in sein figurbetontes Spinnenkostüm zu schlüpfen und die Fäden selbst in die Hand zu nehmen. Da Spider-Man als raubeiniger Einzelgänger bekannt ist, kommt der Spinnenmensch auch im Videospiel ohne viele Hilfsmittel zum Erfolg. Trifft Spidey auf eine Gegnerschar, die meistens gleich im Dutzend zum Angriff übergeht, heißt es, das richtige Timing von Blocken und Schlagen zu beherrschen. Leuchtet nämlich über einem Gegner ein gelbes Symbol auf, müsst ihr schnell die Block-Taste auf eurem Controller gedrückt halten und im besten Fall ein wirkungsvolles Kontermanöver auf das Parkett legen. Besonders geschickte Prügelknaben beziehen gar die Umgebung mit ein. So dürft ihr beispielsweise einen Schergen per Spinnenfaden in die Luft ziehen und ihn dort verprügeln oder ihr hängt ihn gar an einer der nächsten Ampeln auf. Neue Spinnenfähigkeiten erlernt Spider-Man im Spielverlauf natürlich auch, jedoch erweisen sich diese in der Hitze des Gefechts als wenig hilfreich und man aktiviert die Kombos vor lauter Knöpfchendrücken fast nur aus Zufall.
Das hört sich insgesamt zwar recht stimmig an, wird aber schnell zu einer mittelmäßigen Qual, da die diffizile Kamera euch nicht immer aufs Wort gehorcht. Das macht sich beispielsweise beim Kampf gegen den neuen, grünen Kobold bemerkbar, da es hier sehr hektisch zur Sache geht und ihr die Kamera bei schnellen Ausweichmanövern kaum noch unter Kontrolle habt.
Zu vorgegeben Zeitpunkten müsst ihr außerdem die sogenannten Quick-Time-Events meistern, wobei ihr schnelle Reflexe beweisen und flink eine vorgegebene Tastenkombinationen auf dem Controller drücken müsst. Diese Spielabschnitte sind zwar rar gesät, lockern das Spielgeschehen aber immer mal wieder auf, zumal wilde Kameraschwenks die Szenen anreichern. Verdrückt ihr euch aus Versehen in der Hektik, müsst ihr das Event noch einmal angehen, allerdings sind Checkpoints jederzeit fair verteilt, sodass ihr nur selten einen längeren Spielabschnitt wiederholt angehen müsst.
Manhatten erstrahlt in vollem Glanze
Wo viele Kinofilmumsetzungen sprichwörtlich die Flinte aus der Hand geben, haben sich die Jungs und Mädels von Treyarch einiges einfallen lassen, um den technischen Aspekt im direkten Vergleich zum Vorgänger weiter auszubauen. Spidey schwingt sich neuerdings noch eleganter und famoser durch die Straßen von Manhattan und die optimierten Animationen tragen ihr übriges zum fast perfekten Popcorn-Kino-Feeling bei. Noch nie zuvor kam Spideys Körper so muskulös zum Vorschein und die Licht- und Schatteneffekte pflasterten so glaubwürdig die Spielwelt, wie im neusten Ableger der Reihe. Ein echter Wiedererkennungswert ist bei den Protagonisten allemal zu erkennen, jedoch fallen die Gesichter ziemlich blass aus, was als allgemeines Problem im gesamten Spiel auffällt. Die komplett nachmodellierte Metropole Manhattan kann sich ebenfalls sehen lassen. Das Missionsdesign bleibt durchweg seinen Wurzeln treu, nur manchmal verschlägt es euch in die sumpfige Kanalisation oder ins Hafengebiet. Im großen und ganzen ist der technische Aspekt aber nicht mit aktuellen Referenztiteln zu vergleichen, dafür wird zu wenig Abwechslung geboten.
Auch die musikalische Gestaltung ist durchweg gelungen. Auf kontroverse Meinung dürfte die Synchronisation stoßen. Denn heißblütige Spider-Man-Fans können es nur schweren Herzens verkraften, dass lediglich die Synchronstimme der Hauptcharakters die aus dem Kinofilm wie ein Schuh dem anderen ähnelt. Ansonsten wählten die Entwickler fiktive Stimmen, die aber glücklicherweise professionell daherkommen.
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