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„Kurz, prägnant und themenbezogen“, so lautete wohl im vergangenen Jahr die Ausschreibung bei Publisher Codemasters, um nach neuen Titeln für die kommenden Rennspiele zu suchen. Nachdem aus Colin McRae Rally bereits DIRT wurde, ist nun das ehemalige DTM Race Driver (vormals TOCA) dran. Unter der Bezeichnung GRID schickt der britische Entwickler sein neustes Pferd ins Rennen. Frisch aufpoliert und in toller NextGen Optik buhlt der AAA-Titel um die Gunst der Rennspiel-Enthusiasten.
Die Eier legende Wollmilchsau
Zugegeben, mit der EGO-Engine, die in einer Vorläuferversion unter der Bezeichnung „NEON“ auch schon bei DIRT zum Einsatz kam, hat Codemasters ein paar beeindruckende Codezeilen geschrieben. Tolle Grafik, brachiales Schadensmodell und eine durchweg ernst zu nehmende Fahrphysik, alles das bietet der „Tausendsassa der Rennspielengines“ doch kann die Offroad-Engine in ihrer modifizierten Form auch für anspruchsvolle Straßenrennen genutzt werden? Die nächste Frage die sich stellt, und die teilweise von der spielbaren Demoversion schon beantwortet wurde: Erwartet uns mit GRID eine beinharte Simulation oder doch eher ein Arcaderacer? Die Antwort: Ein Stück von beidem.
Spa-Francourchamps, Donington Park, Nürburgring, Le Mans… diese Namen sorgen bei fachkundigen Rennspielern für freudige Blicke, gehören sie doch zu den beliebtesten Rennstrecken überhaupt. Doch GRID bietet nicht nur professionelle Rennen auf offiziellen Racetracks, auch Stadtkurse, nächtliche Streetraces, Driftrennen und sogar Crashderbys sind mit von der Partie. Alles in einem Paket… na wenn das mal gut geht…!
Multitalent gesucht!
Wer sich in der GRID-Welt an die Spitze fahren möchte, hat zweifellos eine Menge Arbeit vor sich. Sobald man sein eigenes Rennteam zusammengestellt hat, geht es darum, sich in drei verschiedenen Regionen der Welt einen Namen zu machen. Während Europa mit anspruchsvollen Touring-, GT und Open Wheel-Meisterschaften auf weltbekannten Kursen lockt, warten in Japan Straßenrennen, Drift-Meisterschaften und die Pro Tuned-Series auf den „Multi-Schumi von morgen“. Die USA sind ebenfalls vertreten und bieten ebenfalls eine Mischung verschiedener Rennarten von Stock Car bis hin zu GT Rennen.
Neben dem eigentlichen Renngeschehen bietet GRID aber auch die Möglichkeit, als Manager des Teams zu fungieren. So kann man einen weiteren Fahrer ins Team holen oder für die richtige Platzierung der Sponsoren sorgen, denn die bescheren ordentliche Nebeneinnahmen. Das erfahrene Geld wird in weitere Karossen gesteckt und so kämpft man sich von Rennen zu Rennen weiter nach vorne. Am Ende einer Saison stehen dabei immer die „24 Stunden von Le Mans“ auf dem Programm, die in einer Zeitraffer-Version gespielt werden. Je nach Füllstand des Geldbeutels kann man hier mit einem eigenen Team oder als Gastfahrer eines renommierten Rennstalls an den Start gehen.
Präsentationsgranate
GRID begeistert visuell vom ersten Moment an. Egal ob die dynamischen Menüs, die schicken Automodelle, das tolle Lighting, die zahllosen Effekte, etc, etc. Keine Frage: Rein grafisch gesehen, zählt der neue Racer aus dem Hause Codemasters sicherlich zu den schönsten Rennspielen, die es derzeit gibt. Die zweite wichtige Komponente in Rennspielen ist der Sound und hier hat man leider nicht ganz so viel Mühe investiert. Zwar klingen die Fahrzeuge bissig und entsprechend ihrer Motorcharakteristik, dennoch... von der Qualität eines Forza 2 oder PGR4 ist man hier leider noch entfernt.
Zweifellos sind die äußerst schicken Replays ebenfalls ein Highlight des Titels und umso unverständlicher ist die Tatsache, dass sich die filmreifen Wiederholungen nicht abspeichern lassen. Die Aufzeichnungen, die in der Xbox 360-Version allerdings nur mit Festplatte zur Verfügung stehen, gleichen dabei mehr einem actionorientierten Hollywood-Blockbuster, denn einer TV-Übertragung und ziehen Racingfans schnell in ihren Bann.
Waschechte Arcade-Simuation
So vielschichtig sich GRID bei der Auswahl der Rennevents gibt, so zeigt sich der Racer auch bei der Steuerung und der Fahrphysik. Wo bei den Vorgängern noch waschechte Simulationen auf den Rennspieler warteten, wirkt GRID wie eine Mixtur aus Arcade und Simulation, wobei vom Fahrgefühl her der Arcade-Aspekt klar im Vordergrund steht. Nicht, dass dies als Negativpunkt zu werten ist, aber gerade, wenn man die 24 Stunden von Le Mans stilecht in (der grandiosen) Cockpitansicht und Lenkrad in Angriff nimmt, erwartet man doch irgendwie ein Quäntchen mehr Sim-Charakter. Grafik, Sound, Geschwindigkeit, alles wirkt auch für Simulations-Fans perfekt, bis zum ersten Bremspunkt oder der ersten Kurve. Zwar lassen sich die Boliden ohne Probleme um die Kurse bewegen, dennoch fehlt die nötige Präzision. Hat man genügend Platz, kann man, speziell mit den Tourenwagen, das Bremsen auch einmal vernachlässigen. Einfach mit einem Ruck früh genug eingelenkt und schon kommt man rum.
Das Fahrgefühl an sich lässt sich dabei am ehesten mit dem letzten Teil der Need For Speed-Serie vergleichen. Einige Fahrzeuge, speziell die GT oder LMP-Serie, vermitteln zudem das Gefühl, sich lediglich über die vertikale Mittelachse zu drehen. Dies äußert sich darin, dass die Fahrzeuge gerade in schnell gefahrenen Kurven beim Einlenken zuerst weiter nach innen zum Kurvenscheitelpunkt ziehen um sich dann nach einigen Hin- und Herschlenkern zu stabilisieren. Wichtig ist hierbei, dass man keine Gegenmaßnahmen einleitet. Einfach unbeeindruckt weiterfahren, alles wird gut.
Was uns persönlich etwas störte, ist die augenscheinliche Boost-Funktion der durchweg nicht besonders intelligenten Gegner. Besonders fällt dies bei den langen Geraden in Le Mans auf. Holt man führende Fahrzeuge in der Regel problemlos ein, kleben diese alsbald an eurer Heckstoßstange und fighten, als gäbe es kein morgen oder keine nächste Kurve. Auch die fehlenden Zwischenstops zeigen gerade bei dem 24-Stunden von Le Mans, dass Simulation nicht auf der Tagesordnung stand. Zwar kann man die 24 Stunden in Echtzeit fahren, Boxenstops oder gar Speicherpunkte gibt es leider nicht, weswegen diese Option des Rennens nur theoretisch vorhanden ist. Schade, schade schade…
Der Multiplayer-Part von GRID bietet keine Überraschungen aber jede Menge Spielspaß. Mit bis zu 12 Teilnehmern rast man ausschließlich im Netzwerk oder online über die Kurse oder vergleicht seine Statistiken mit anderen Spielern weltweit. Ruckler sind bei optimaler Anbindung Mangelware, das Geschehen flimmert durchweg mit konstanter Framerate über den heimischen Bildschirm.
Lenkradeinsatz nur bedingt empfohlen
Obwohl GRID allein durch seine Thematik schon dazu verleitet, sich in den Playseat zu schmeißen und via Xbox 360 Wireless Racing Wheel um Zehntelsekunden zu fighten, ist das Setting des Spiels sowie die Befehlseingabe doch eher auf die konventielle Pad-Steuerung ausgelegt. Trotzdem sich Codemasters größte Mühe gegeben hat und mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten lockt, will das Fahren mit Lenkrad nicht so richtig „fruchten“. Dies liegt zweifellos am bereits angesprochenen Arcade-Charakter des Spiels. Dennoch, wer in der grandiosen Cockpit-Perspektive spielen möchte, sollte dem Wheel eine Chance geben, denn nur so lassen sich die überaus hektischen Bewegungen des virtuellen Alter Egos’s abstellen und nach einer kleinen Eingewöhnungszeit sind sogar richtig schnelle Runden drin. Eines steht sowieso außer Frage: Mehr Spaß macht es allemal.
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