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In der Videospiel-Industrie gibt es feste Statuten, was das Shooter-Genre anbelangt: Es gibt auf gediegene Taktik ausgelegte Titel und solche, die rabiaten Action-Klischees gerecht werden. Zu Letzterer könnte man den heftig kritisierten Shooter Quake zählen, während im Bereich der Taktik die Battlefield-Franchise den Genrethron in seinen Griffeln hält. Genre-Kenner merken es schon: Beide Shooter haben so gut wie nichts miteinander gemeinsam. Sie spielen in einer anderen Liga und vertreten unterschiedliche Grundfesten, dennoch hielt das id Software nicht davon ab, beide Gameplays in einen Topf zu werfen. Ob ein versalzenes Süppchen serviert wird oder ein Durchbruch gelingt, lest ihr in unserem Review zu „Enemy Territory: Quake Wars“.
Vermählung zweier Feinde
PC-Gamer werden sich gewiss noch an „Enemy Territory“ entsinnen. Das war damals nur eine Multiplayer-Mod für den hierzulande indizierten Shooter „Return to Castle Wolfenstein“, damit der ursprünglich auf reine Singleplayer-Mechanik ausgelegte Titel auch Freunde gepflegter Mehrspieler-Partien ansprach. Das nun für Xbox 360 veröffentlichte Projekt hört auf den wohlklingenden Namen Enemy Territory: Quake Wars und hangelt sich, wie zu vermuten am taktischen Gameplay von Enemy Territory entlang, verzahnt das Ganze aber mit einem Sahnehäubchen des rasanten Quake-Spielprinzips.
Die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Geht das Konzept auf? Die Antwort: Jein. Taktik mit Tempo lautet das Credo, dem ET:QW nacheifert. Das mag nicht nur theoretisch widersprüchlich klingen, sondern das ist es auch. Spaß macht das Ganze zwar, wer allerdings jahrelanger Battlefield- respektive Quake-Veteran ist, muss umdenken und sich an ein komplett neues Gameplay gewöhnen.
Story auf Abwegen
Eine Story wird quasi überhaupt nicht erzählt. Zwar könnt ihr den Shooter auch mit optional zugeschalteten Bots spielen, „ET: QW“ ist aber durch und durch auf Online-Scharmützel ausgelegt. Das Herzstück des Spiels bildet der Kampagnen-Modus, bei dem zwischen den vier Szenarien Afrika, Nordamerika, Nordeuropa und der Pazifikregion gewählt wird. Diese bestehen jeweils aus drei aneinandergereihten Maps, auf denen die beiden Fraktionen – die Global Defense Force (GDF) und die Strogg – gegeneinander antreten und jeweils konträre Missionsaufgaben erfüllen müssen. Ein Team schlüpft in die Pantoffeln des Angreifers und die andere Fraktion in die des Verteidigers. Ein Beispiel: Während es sich die Strogg auf der Karte „The Ark“ zur Aufgabe gemacht haben, einen Störgenerator zu zerstören und einen Minenlaser zu errichten, muss die GDF eben dieses Vorhaben zu verhindern versuchen. Schafft die Strogg ihre Missionsziele innerhalb des Zeitrahmens abzuarbeiten, hat diese Partei gewonnen. Ansonsten geht die GDF als Sieger vom Schlachtfeld.
Neben der Kampagne stehen noch die Varianten „Zielmodus“, bei dem nur eine Map gespielt wird, und „Stoppuhr“ zur Auswahl. Hier wird die gleiche Karte zweimal hintereinander gespielt. Es gewinnt das Team, das die Missionsziele am schnellsten erfüllt hat. Apropos Maps. Diese sind unterm Strich recht abwechslungsreich und gigantisch gestaltet. Von Wald-Gebieten, über Industrie-Komplexe, bis hin zu Bergschluchten und Talszenarien wird einiges geboten. Zum Glück helfen euch stets eine Minimap und Ziel-Symbole dabei, den richtigen Weg zu finden. Ansonsten würdet ihr euch ziemlich schnell verlaufen.
Kampfgeschwader auf drei Uhr
Maximal 16 Spieler treten in den zwei besagten Teams gegeneinander an. Beide Parteien greifen dabei auf fünf Klassen zurück, die jeweils über klassenspezifische Eigenschaften verfügen. Da hätten wir zum einen den Soldaten, auf Seiten der Strogg als Aggressor bezeichnet, der besonders an vorderster Front die Nase vorn hat, der Sanitäter bzw. Versorger verarztet und reanimiert hingegen seine Mitstreiter und hält beileibe nicht so viel gegnerischen Beschuss aus, während der Techniker (Konstruktor) defensiv agiert und Verteidigungsgeschütze errichtet. Abgesehen davon gibt es noch den Feldagenten (Oppressor) und Geheimagenten (Infiltrator).
Lasst euch von den unterschiedlichen Bezeichnungen nicht beirren, generell mischen auf beiden Seiten die identischen Klassen mit - nur eben unter anderer Bezeichnung. Überzeugend kann das üppige Waffen-Arsenal, das größtenteils konventionelle Wummen bietet, wobei die Strogg auf reine Laserwaffen zurückgreifen. Außerdem finden sich innerhalb einiger Levels Vehikel, dazu zählen Panzer, Armadillo-Jeeps und Bumblebee-Transporthubschrauber. Leider empfanden wir die Steuerung der Panzer und Helis etwas zäh, da die Gefährte nur sehr widerspenstig auf unsere Eingaben reagierten. Interessant erscheinen die Erfahrungspunkte, die ihr für das Erfüllen von Missionszielen oder Erledigen von Feinden erhaltet. Im Anschluss verbessern sich eure Attribute wie Streuweite, Schussstärke und Schnelligkeit. Nach dem Ende einer Kampagne wird die gesammelte Erfahrung jedoch wieder auf „null“ gesetzt.
Durchaus verbesserungswürdig war zum Zeitpunkt unseres Tests noch die Server-Performance. Denn plötzlich auftretende Lags waren keine Seltenheit. Außerdem ist die Bestimmung der Schussrichtung eines Feindes mehr schlecht als recht gelöst. Werdet ihr attackiert, verdeutlicht das zwar ein roter Balken am Bildschirmrand, allerdings ist kaum auszumachen, aus welcher Richtung nun tatsächlich geschossen wird. In Verbindung mit dem dynamischen Spielverlauf hat man kaum eine Chance, rechtzeitig zu reagieren. Hoffentlich wird Nerve Software künftig an den kleinen Spielspaß-Dämpfern feilen.
Nix für Technik-Gurus
Grafisch haut euch das Spielgeschehen zwar nicht aus den Socken, ist insgesamt aber solide inszeniert. Den Charakteren und Umgebungen hätten mehr Details sicher nicht geschadet und die Explosionen und übrigen Effekte kommen zu keiner Zeit über schnödes Mittelmaß hinaus. Echte Highlights und AHA-Momente bleiben während des gesamten Spiels generell aus. Beim Sound verhält es sich ähnlich. Die Waffen-Sounds wissen zu gefallen, die deutsche Synchronisation ist hingegen nur magerer Durchschnitt. Spracheinspielungen gibt es aber ohnehin nur äußerst selten, etwa dann, wenn ihr euren Kumpanen Befehle erteilt. Das könnt ihr aber auch genauso gut per Headset machen.
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