| |

Spieler lieben Helden. Helden wie den Master Chief, Solid Snake oder Sam Fisher , die sich aufopferungsvoll für das Gute einsetzen, finsteren Widersachen den Garaus machen oder sich heldenhaft in den Märtyrertod stürzen. Doch was passiert, wenn genau diese Vorbildfiguren durch einen brutalen Psychopathen und einen zum Tode verurteilten Schwerverbrecher ersetzt werden? Was, wenn Beide keinerlei Rücksicht auf Zivilisten und Unschuldige nehmen? Was, wenn Beide, lediglich von egoistischen Zielen getrieben, Töchter entführen, Polizisten töten und Geiseln hinrichten? All diesen Fragen sind wir in unsrem Review zum Action-Titel Kane & Lynch auf den Grund gegangen.
Ich will sie zurück
Die Geschichte in Kane & Lynch beginnt äußerst vielversprechend und fesselt den Spieler von der ersten Spielminute an. So befindet sich der zum Tode verurteilte Kane an Bord eines Gefangenentransports auf dem Weg zu seiner eigenen Hinrichtung. Neben ihm sitzt ein kahlköpfiger, wuchtiger Mann mit Brille, der ihn so gleich auch aus seinen Gedanken reist und seinen Kopf zu Boden drückt. Eine Explosion sowie Schüsse sind von draußen zu hören und als Kane die Augen wieder öffnet befindet er sich mitten in einer Schießerei zwischen maskierten Männern und der Polizei. Schwindelig begibt sich der Protagonist zusammen mit dem Glatzkopf und einer Bande von Strumpfhosenträgern von Seitenstraße zu Seitenstraße um letztlich einen Donutladen zu erreichen, wo ein Fluchtwagen bereit steht. Als Kane in diesen einsteigt wird ihm schwarz vor Augen.
Als er wieder zu Besinnung kommt findet er sich in einem Lagerhaus wieder, vor ihm stehen einige bekannte Gestalten im Anzug starren ihn an, bevor einer der Herren das Wort ergreift. Man hat Kane‘s Familie entführt und verlangt nun die Beute eines früheren Coups zurück, die der Protagonist allem Anschein nach zur Seite geschafft hat. Dazu hat dieser einige wenige Wochen Zeit und wird überdies von Lynch, dem kahlen Brillenträger, begleitet; dieser soll dabei in ständige, Kontakt mit der Mafia-Bande bleiben um Kanes Schritte verfolgen zu können. Was letzterer jedoch nicht weiß: Lynch ist psychisch krank, aggressiv und unberechenbar gegenüber Unschuldigen, steht Kane aber stets hilfreich zur Seite, da auch sein Leben am seidenen Faden hängt.
Die Spannung steigt und fällt
Während die Storyline anfangs überaus vielversprechend wirkt, sieht es mit der Umsetzung eher mau aus. Zugegeben fesseln vor allen Dingen die Anfangsmissionen sowie einige innovative und brillant in Szene gesetzte Level wie die Entführung einer Frau in einer überfüllten Diskothek, jedoch verflacht der Spannungsbogen gegen Ende des Titels gehörig. Mit diesem verfliegt auch die Abwechslung in den Missionen, in denen sich Ziele wie das Beschützen bestimmter Charaktere oder Niedermähen von Gegnermassen schnell wiederholen. Weitere abwechslungsreiche Elemente wie die Zielzuweisung für den Partner oder das Deckungsfeature werden im späteren Verlauf zudem kaum noch angewendet, da sie teilweise zu umständlich und oftmals unnütz erscheinen. Vor allen Dingen von Partnerfeatures hatte man sich durchaus mehr versprochen. Diese beschränken sich jedoch zum Großteil auf das Wiederbeleben des Protagonisten durch eine Spritze Morphium. Letztere wird gesetzt sobald man von Schüssen getroffen schwankend zu Boden sinkt. Werden jedoch in kurzer Zeit mehrere Spritzen gesetzt ist das Spiel vorbei, da die Dosis des Schmerzmittels dann zu stark ist.
Auch der Schwierigkeitsgrad schwankt gegen Ende sehr stark und unterstreicht eine schwache und ebenfalls von heftigen Schwankungen betroffene KI. Immerhin wurden die verschiedenen Checkpoints fair gesetzt und bieten somit die Möglichkeit schnell im Level voranzuschreiten. Zu schnell möchte mancher Spieler meinen, wenn er den Titel in weniger als acht Stunden beenden konnte, denn zum Leid vieler Käufer bietet Kane & Lynch dahingehend wenig Umfang.
Ein Männlein steht im Walde….
Der, neben der abflachenden Story, wohl größte Kritikpunkt ist die KI der Widersacher in den Missionen wie auch im Multiplayermodus. So reagieren die Gegner teils zu langsam oder einfach gar nicht, wenn ein Schuss direkt neben ihnen in der Wand einschlägt und einige Fliesen zerspringen lässt. Weiterhin übersehen uns diese in zahlreichen Fällen und fokussieren sich auf unseren Partner. Ein passendes Beispiel dazu findet sich in der oben beschriebenen Mission in einer Diskothek. Während sich Kane und Lynch, der hierbei eine entführte Frau auf den Schultern trägt, den Weg durch die gefüllte Disco bahnen, begegnet man immer wieder Türstehern und Bodyguards, die mit erhobener Waffe und Taschenlampe durch die Menge spazieren. Wer nun glaubt, dass diese Gesellen, sofern wir entdeckt wurden, Hilfe rufen oder gar auf und schießen, liegt falsch. So marschieren diese schnurstracks an unsrem Protagonisten vorbei auf unsren Partner zu, bleiben kurz stehen und sinken letztlich von uns angeschossen zu Boden.
Doch auch in weiteren Fällen blicken uns Gegner sekundenlang genau in die Augen, bleiben jedoch seelenruhig stehen während sie in anderen Missionen auf der Suche nach Deckung planlos in der Gegend umherirren. In diesen Momenten fragt man sich ebenfalls warum die Entwickler ein umständliches Deckungssystem integriert haben. Dies scheint mit Blick auf die KI nämlich mehr als überflüssig.
Multiplayermängel
Der Multiplayermodus zeichnet sich vor allen Dingen durch zwei Modi aus. Zum einen der Offline-Coop-Modus, welcher es ermöglicht mit einem weiteren Gefährten die Kampagne per Splitscreenansicht zu beenden, zum anderen der Fragile Alliance-Modus, der Teamkameraden zu Feinden macht. In letzterem gilt es mit einem Team so viel Geld wie möglich zu stehlen und gleichzeitig vor den Cops zu flüchten. Gönnt man einem Kameraden das Geld nicht kann er einfach beseitigt und um einige Moneten erleichtert werden. Wandern diese jedoch in die Tasche des Spielers wird er gebrandmarkt. Dies hat zur Folge, dass andere Teammitglieder den Spieler durch einen Schriftzug über seinem Charakter als Verräter entlarven können und gegebenenfalls ebenso aus dem Weg räumen können. Die schwache KI übernimmt dabei die Rolle der Polizisten, was den Multiplayerspaß gehörig eindämmt. Weiterhin vermisst man einen Online-Coop-Modus.
Es geht noch mehr
Ein großes Plus verdient sich indes die grafische wie soundtechnische Seite des Titels, denn im Großen und Ganzen konnte die Grafik überzeugen. Besonders gefiel das Design der beiden Protagonisten Kane und Lynch, welches durch Detailverliebtheit und Authentizität glänzt. Dass nicht alle Charaktere, Schauplätze und Texturen mit diesem Detailreichtum gesegnet sind, verschmerzt man angesichts einer grandiosen Präsentation. Letztere zeichnet sich vor allen Dingen durch gute Licht- und Explosionseffekte, eine zerstörbare Umgebung und filmreif inszenierten Missionen aus. Unterm Strich gibt es in Sachen Grafik noch reichlich Luft nach oben.
Der Sound hat indes das Prädikat „hervorragend“ verdient, überzeugen doch Synchronsprecher und Hintergrunduntermalung in jeder Hinsicht. Auch Effekte, Waffen und Explosionen klingen realistisch. Steuerungstechnisch sicherlich überflüssig sind die umständlichen Deckungsmanöver, sowie die Zielzuweisung für den Partner. Ansonsten geht der 3rd-Person-Shooter einfach von der Hand.
Jetzt diesen Artikel bestellen
Diesen Artikel im Forum diskutieren |
|