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Anno 2004 kündigte Hersteller Eidos den Titel Project: Snowblind als einen der Shooter für das Jahr 2005 an. Ein Top-Titel mit superber Grafik, einem bahnbrechenden Gameplay sowie interessanter Story wurde uns versprochen. Nun dauert es nur noch wenige Tage, bis wir das viel gepriesene Werk endlich selbst in unseren Händen halten werden. Damit ihr wisst, ob Snowblind dem Hype gerecht werden kann, haben wir uns mit der US-Verkaufsversion ins Gefecht begeben.
Die Ergebnisse unseres Kampfes könnt ihr dem folgenden Review entnehmen.
Kammerflimmern
Montagmorgen im Jahr 2065. Mitten zwischen feindlichen Mauern. Die Waffe im Anschlag, das Haar sitzt. Lässig schlendert unser Held Nathan Frost durch die Gassen. Angst? Ein absolutes Fremdwort für ihn. Plötzlich hinter ihm ein Knarren und Scheppern. Nathan blickt eben so lässig über seine rechte Schulter und erblickt etwas, das wohl bei vielen Elite-Soldaten die Knie weich werden lassen würde. Ein riesiger Stahl-Mech pflanzt sich hinter ihm auf. Doch statt eines lieben „Hallo!“ funkeln unserem Krieger lediglich zwei glühend rote Augen entgegen. Während jeder Normalsterbliche nun den Schutz in der Deckung suchen würde, streckt Nathan lediglich lässig seinen Arm aus und, baut ein Schutzschild um seinen Körper auf. Einige gezielte Schüsse aus der Gun und zwei Frag-Granaten später, ist der Mech lediglich noch als Konservenbüchse für Hundefutter zu gebrauchen.
In einer anderen Situation nur kurze Zeit später pirscht sich Mr. Frost zusammen mit einigen Teamkameraden durch ein unterirdisches Garagensytem. Hier gilt es ständig auf der Hut zu sein, da es an allen Ecken und Enden vor Wachen, Selbstschussanlagen und Kampfrobotern nur so wimmelt. Daher schraubt Nathan sich zunächst einmal seinen Schallschutz auf die Waffe, um dann mit einem gezielten Schuss auf den Kopf eines Gegners diesen unschädlich zu machen. Alternativ könnte er auch von seinem Sniper-Rifle Gebrauch machen. Doch das hat er dummerweise in seinem Wagen liegen lassen. Apropos Fahrzeug: Diese gut gepanzerten Helfer könnt ihr – falls vorhanden - jederzeit zu euren Zwecken ge- oder auch missbrauchen. Zum Einen fahrt ihr damit jeglichen Gegner über den Haufen. Zum anderen dienen zum Teil vorhandene Waffen als überzeugende Argumente. Aber auch hier müsst ihr aufpassen. Schaltet nämlich einer eurer Kontrahenten den Alarm ein, bleibt euch wenig Zeit, bevor Verstärkung eintrifft. Dann heißt es: Ballern, was das Zeug hält oder den nächsten Schalter aufsuchen, um den Alarm abzuschalten. Die Fahrzeuge steuern sich vom Prinzip her wie ihre Kollegen in Halo 2. Nur leider etwas umständlicher und behäbiger.
Aber trotzdem macht es einen Heidenspaß, in einem Panzer oder einer Art Hummer Platz zu nehmen und alles umzunieten, was nicht bei drei aus dem Schussfeld ist.
Die (Q)Wahl der Waffen
Dass euer Alter Ego „nicht ganz normal“ ist, erfahrt ihr auf mehrere Weisen. Zum Einen durch die durchaus spannend erzählte Hintergrundgeschichte. Durch einen familiären Schicksalsschlag meldet sich Nathan Frost bei der Armee. Sein geliebter Bruder wurde während eines Einsatzes von Rebellen abgeschossen. Was macht der jüngere Bruder also? Rache an den Killern seines Fleisch und Bluts nehmen und das ganze Aufständischen-Pack zurück dorthin zu jagen, wo es her kommt. Doch leider hat Frost die Rechnung ohne die Elite-Einheiten der Rebellen gemacht. Die greifen nämlich eines Tages aus dem Hinterhalt an und verwunden Nathan dermaßen schwer, dass er lebensgefährlich verwundet wird. Zwar versuchen ihn die Ärzte noch zu retten. Doch bleibt die Herzfrequenzlinie auf den Geräten schneller stehen, als eine Kugel sich durch einen Feind bohren kann. Doch da wir uns in der Zukunft befinden, haben unsere Ärzte-Spezialteams noch einen Trumpf im Kittel.
Das Zauberwort, mit denen sie auch Tote zum Leben erwecken können, und mit dem auch defekte Kühlschränke wieder laufen, heißt Nano-Technologie.
Mit diversen Chipsätzen ausgerüstet, die selbst dem 6-Millionen-Dollar Mann Tränen des Neids in die Augen treiben dürften, schwingt sich Frost auf und nimmt zusammen mit seinen Cyberkollegen den ultimativen Kampf gegen die Schurken auf. Neben zahlreichen überzeugenden Argumenten wie Splittergranaten, Panzerraketen, MGs oder auch Blendgranaten, die ihr durch über die Level verstreute Ammo-Kisten auffrischen dürft, verfügt Frost über erstaunliche High-Tech Implantate. Da wären zum Beispiel ein Zeit-Verlangsamer, ein Nachtsicht-Implantat, ein Schutzschild oder auch die Möglichkeit Gegner durch Wände sehen zu können. Doch bei der Wahl eurer Implantate solltet ihr klug vorgehen, da sie nur eine begrenzte Zeit aktiviert werden können. Und was gibt es schlimmeres, als im Kampf gegen ein Dutzend Feinde auf einmal ohne Schild dazustehen. Glücklicherweise haben die Entwickler hier mitgedacht und spendieren euch Healthpacks und Power-Ups in Kisten und Schränken. Einziger Kritikpunkt: Die stationären Speicherpunkte. Denn anstatt eine Quick-Save Option einzubauen, entschied man sich dafür, lediglich an Speicher-Stationen das Spiel abspeichern zu können. Das ist aufgrund des teilweise recht knackigen Schwierigkeitsgrades nicht besonders unterhaltsam. Denn wer sein virtuelles Leben trotz aller Implantate und Waffen einmal aushaucht, muss unter Umständen weit im Level zurück gehen. Zwar könnt ihr einige Male mit Druck auf den rechten Stick euren Charakter reanimieren, doch auch dieses Feature ist begrenzt verfügbar.
Trotz der vielen Möglichkeiten fällt die Steuerung des Protagonisten recht simple aus. Dank einer ausführlichen Erklärung seitens der NPCs, die euch stets auf dem Laufenden halten, habt ihr die Optionsmöglichkeiten schnell im wahrsten Sinne des Wortes im Blut. Weiterhin könnt ihr zu jedem Zeitpunkt im Spiel die Tastenbelegung einblenden, falls doch in der Hitze des Gefechts Unklarheiten aufkommen sollten. Die meisten Waffen, welche Nathan mit sich führt, verfügen über einen Primär- und einen Sekundärfeuermodus. Ein Highlight ist das Snipergewehr. Schießt ihr im Sekundärmodus auf einen Gegner, verwandelt sich dieser quasi in einen willenlosen Soldaten, der auf seine eigenen Kollegen losgeht. So bleibt euch unter Umständen eine Menge Arbeit erspart und durch die offensichtliche Verwirrtheit unter euren Feinden Zeit für das Wesentliche.
Jeder Schuss ein Treffer!?
Dieses Wesentliche besteht in der Bewältigung der insgesamt achtzehn großen Missionsareale. Zu Beginn erhaltet ihre eure Aufgabenziele entweder direkt von einem Vorgesetzten oder via Headset. Doch wer nun denkt, dass es damit getan sei, der irrt sich gewaltig. Dank etlicher geskripteter Ereignisse und Wendungen innerhalb der Story müsst ihr euch spontan auf eine neue Situation einstellen. So bricht schon mal ein Panzer durch eine Barriere oder treffen Helikopter mit Verstärkung oder Zielsuchbomben ein und lassen den sicher geglaubten Sieg in weite Ferne rücken.
Dank clever verteilter Schutzmöglichkeiten und stationärer MGs, könnt ihr wenigstens für einige Sekunden euer Leben erleichtern. Ansonsten beherrscht die brachiale Action euer Soldatendasein nahezu pausenlos. Und das ist auch gut so. Denn was gäbe es Langweiligeres, als stundenlang über irgendwelche Korridore und durch Schächte zu laufen, ohne einen Gegner zu sehen. Und so setzt Project: Snowblind weniger auf Herzschlagmomente (die es trotzdem ab und an gibt), als auf kompromisslose Gefechte. Durch die recht schlau agierende KI wird euer Vorhaben manches Mal zu einem Höllentrip. Denn auch eure Widersacher haben im Ausbildungslager aufgepasst. So suchen sie Schutz, bilden Gruppen oder versuchen eure Schwächen auszumachen. Leider hält aber auch diese KI nicht permanent das gleiche Level. Alles in allem gibt es aber nicht viel an der Gegner-Intelligenz zu mäkeln. Auch die eigenen Kollegen machen ihren Job nicht unbedingt schlecht. Manchmal setzt ihr Grips zwar kurzweilig aus. Doch meistens sind sie auf der Höhe des Geschehens und bieten euch gute Unterstützung.
Die Aufgaben, welche innerhalb der Level zu erfüllen sind, dürften euch aus zahlreichen anderen Genre-Vertretern hinlänglich bekannt sein. Mal sollt ihr eine Basis des Gegners infiltrieren. Dann wieder fehlgeleitete Geschütztürme ausschalten. Oder auch einen Überläufer aus dem Weg räumen. Leider haben sich die Entwickler bei der Story nicht ganz so viel Mühe gegeben, wie sie es seinerzeit noch vollmundig versprochen haben. Zwar gibt es einige Identifikationsmöglichkeiten mit dem Helden. Doch bleibt die Story weit hinter der Action zurück. Die Spannung, die Project: Snowblind aufbaut, nährt sich eindeutig nicht aus der Handlung, sondern vielmehr aus dem auf dem Bildschirm Präsentierten.
Schein oder nicht Schein? Das ist des Pudels Kern!
Wo wir schon einmal dabei sind, sollte die Grafik auch angesprochen werden. Die stellt ein zweischneidiges Schwert dar. Die Story von Project: Snowblind ist im Hongkong des Jahres 2065 angesiedelt. Dementsprechend asiatisch anmutend wirkt auch die Umgebung. Die nicht-lineare Levelstruktur ermöglicht euch ein mehr oder minder freies Vorgehen. Doch nähert ihr euch Wänden oder schaut auf den Boden, merkt ihr, woran die Grafik krankt. Viele Texturen sind verwaschen oder detailarm. In Zeiten eines Riddick oder Halo 2 muss das nun wirklich nicht mehr sein. Hätten die Macher sich hier ein wenig mehr Mühe gegeben, wäre der optische Eindruck deutlich besser ausgefallen. Denn das Modeling der Charaktere kann durchaus überzeugen. Gerade Frost mit seinen Implantaten sieht gut aus. (Auch wenn ihr die meiste Zeit lediglich seinen Arm seht).
Die zahlreichen Explosionen, die allesamt wirklich überzeugend wirken, machen die wenigen negativen Elemente der Grafik wieder einigermaßen wett. Auch der 60 Hertz-Modus wird unterstützt. Abgerundet wird das Ganze durch einen fulminanten Sound und sehr gute Sprecher. Bleibt zu hoffen, dass die deutschen Synchronsprecher ähnlich motiviert bei der Sache waren und dem Titel eine besondere akustische Note verleihen werden.
Konfuzius sagt: Wer zusammen spielt, ist nicht allein
Natürlich spendieren euch die Mannen von Eidos, wie es sich für einen aktuellen Shooter gehört, einige gute Mehrspielermodi. Mit maximal sechzehn Spielern könnt ihr im Netzwerk oder auch über Xbox Live im Deathmatch, Assault oder Capture-the-Flag antreten. Daneben gibt es noch einige Spieleigene Multiplayeroptionen. Im Hunter-Modus gibt es so genannte Token, die dem Träger diverse Spezialfähigkeiten übertragen. Der Demolition-Modus macht ordentlich Laune. Hier gilt es, eine Bombe zu finden und diese zu platzieren.
Insgesamt gibt es zehn unterschiedliche und gut gestaltete Maps. Leider treten ab und an störende Pop-ups auf, die aber nur selten sind. Vor Beginn einer Map dürft ihr aus sechs unterschiedlichen Klassen wählen. Agent, Berserker, Rekrut, Scout, Scharfschütze oder Schwerer Soldat stehen zur Verfügung. Pro Klasse erhaltet ihr zwei Waffen und Extras, die je nach Einheit variieren. Außerdem gibt es die Fahrzeuge des Singleplayer. In den meisten Fällen lassen sich die Maps hervorragend spielen, da es nur selten zu Slowdowns kommt.
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