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Adventure-Games und Konsolen: Diese Symbiose wollte bislang nicht so recht funktionieren. Einige wenige Ausnahmen wie Syberia konnten zwar durch schöne Grafiken begeistern, blieben allerdings weitestgehend ein Nischenprodukt. Umso erfreulicher, dass sich nun Microids an einen neuen Adventure-Titel mit dem klingenden Namen „Still Life“ gewagt hat und das stiefmütterlich behandelte Genre mit neuem Wind beleben will.
Von der Vergangenheit der Zukunft
Im Krimi-Adventure „Still Life“ übernehmt ihr gleich zwei Hauptrollen. Zum einen die des Privatdetektivs Gustav McPherson, den ihr allerdings erst im späteren Spielverlauf steuern werdet. Zum anderen seine attraktive Enkelin Victoria McPherson, die in guter Tradition ihrem Großvater beruflich gefolgt und eine überaus ambitionierte Detektivin ist. Anfang des vorigen Jahrhunderts ermittelte McPherson senior bei einer Mordserie in Prag. Ein Massenmörder hatte dort einige Frauen auf äußerst bestialische Weise geschändet und ermordet. Jahre später - der eigentliche Spielbeginn - findet sich Victoria einer ähnlich grausamen Mordserie gegenüber. Im trüb-winterlichen Chicago 2005 wurden fünf junge Frauen regelrecht hingerichtet.
Als FBI Agentin soll Victoria nun endlich den irren Killer dingfest machen, bevor weitere mysteriöse Morde geschehen können. Dummerweise kommt die sonst für ihren Scharfsinn bekannte Lady diesmal mit ihren Nachforschungen nicht so recht voran. Da Weihnachten bald vor der Tür steht und sie dringend eine Auszeit benötigt, macht sich Victoria auf den Weg, um ihren Vater einen Besuch abzustatten und durchzuatmen...
...und zurück
Dort angekommen berichtet sie von ihrer Arbeit und stöbert ein wenig gedankenverloren auf dem Dachboden umher. Dabei fällt ihr zufällig ein Tagebuch ihres geliebten Großvaters in die Hände, das er im Jahre 1929 verfasst hat und in dem er sich mit seiner Arbeit auseinandersetzt. In seiner Niederschrift berichtet er von dem ominösen Mörder, den er seit geraumer Zeit jagt. Nachdem Victoria das Buch ihres Großvaters studiert hat, geben sich für sie immer mehr Rätsel auf. Kann es Zufall sein, dass es etliche Parallelen ihres Falls zu den damaligen Morden gibt? Oder sollte trotz dieser immens großen Zeitspanne tatsächlich noch der gleiche Täter am Werk sein? Psychopathen gibt es zwar viele. Doch es kann unmöglich sein, dass dieses Puzzle von zwei Irren gespielt wird…
Wie würdet ihr entscheiden?
Das Spielprinzip von „Still Life“ gleicht dem eines klassischen Adventures. Ihr besucht zahlreiche Locations, befragt diverse Personen in linear ausgerichteten Gesprächsdialogen nach Informationen und sammelt dem Fall mehr oder weniger dienliche Gegenstände in eurem Inventar auf. Bei den Unterhaltungen mit den NPCs könnt ihr leider nicht auswählen, was ihr euer Gegenüber fragen wollt. Lediglich zwischen einer eher persönlichen oder geschäftlichen Frage habt ihr die Auswahloption. Diese werden über die beiden Schultertasten getroffen. Zwar geben euch die Antworten versteckte Hinweise auf eure Vorgehensmöglichkeiten, doch sollten euch diese meistens klar sein.
Um im Spiel voran zu kommen, sammelt ihr wie gesagt zahlreiche Gegenstände auf, kombiniert diese mit anderen oder probiert sie an passenden Stellen aus. Natürlich verfügt Ms. McPherson über das nötige detektivische Equipment, mit welchem sie Blutreste aufnimmt, Stofffetzen einsammelt und scheinbar unsichtbare Schriftzüge auf Wänden sichtbar machen kann. Die Palette der Rätsel reicht dabei von einfachen Schalteraufgaben, über relativ komplizierte Kombinationsrätsel, bis hin zu recht komplexen Denksporteinlagen. Gelegenheitsspielern kann das auf die Dauer ein wenig zu viel werden, wenn sie zum x-ten Mal einen Ort absuchen müssen oder ein scheinbar unlogisches Rätsel präsentiert bekommen. Wer sich jedoch mit dem Genre auskennt und auch die CSI Spiele kennt, dürfte sich schnell heimisch fühlen. So manches Mal liegt die Lösung eben näher, als ihr es zunächst denkt.
Der Killer kommt auf leisen Sohlen
Das Rückgrat von „Still Life“ bildet zweifelsfrei die tolle Hintergrundgeschichte, die in zahlreichen aufwendig gestalteten Zwischensequenzen und Gesprächen erzählt wird. Dabei gibt es zahlreiche Schock- und nervenaufreibende Momente. Erzählerisch reicht „Still Life“ zwar nicht an die Klasse eines Hitchcock, doch gibt es eine wirklich beeindruckende Storyline mit vielen Wendungen. Das Ganze spielt in düsteren, teilweise klaustrophobisch wirkenden Levels, die durch ihre verdreckten, unwirklich wirkenden Architekturen viel zur Spielatmosphäre beitragen.
Und hier kommen wir dann zum zweiten „Standbein“ des Titels: die Grafik. Diese erinnert ein wenig an Syberia, weiß sie – wie eben jener Titel - doch vor allem durch ihre absolut detailverliebten vorgerenderten Hintergründe zu brillieren. Auch die Licht- und Schatteneffekte wissen absolut für ein Adventure zu überzeugen. Ein wenig mager hingegen fallen die einzelnen Charaktere in ihren Animationen aus. Oft laufen sie durch die Gegend, als hätten sie ein Lineal verschluckt und ab und an kommt es leider auch vor, dass sie an unsichtbaren Kanten hängenbleiben. Schön gemacht – gerade für Einsteiger - sind die „Bildschirmhilfen“. Nähert sich euer Protagonist einem für den Spielverlauf relevanten Objekt, verformt sich der Cursor und zeigt euch an, was hier zu tun ist. Diese kleinen Hilfestellungen sind zwar nichts Neues im Genre, doch immer wieder gern gesehen.
...und ich sag noch: Lern Englisch!
Und auch sonst erfindet „Still Life“ in mancherlei Hinsicht das Rad nicht neu, bietet aber gute Unterhaltungskost, sieht man einmal von den zum Teil wirklich grausamen, weil unmotivierten oder einfach nicht passenden deutschen Synchronstimmen ab. Ein klarer Vorteil ergibt sich mal wieder für Spieler mit guten Englischkenntnissen, da sich die Originalstimmen einfach besser anhören.
Ein sehr großes Manko des Spiels sind die nervigen Ladezeiten. Wechselt ihr von einem Raum in den nächsten, lädt das Programm permanent nach und erschwert somit unnötig den Spielfluss. Warum dies so ist, wissen wohl nur die Entwickler.
Abschließend sei noch ein Wort zu Kameraführung verloren. Im Gegensatz zu manch anderem Titel, seht ihr das Geschehen meist aus einer angenehmen Spielperspektive. Nur selten verdecken die Charaktere wichtige Details oder rennen ziellos durch die Gegend. Und wenn sie es trotzdem tun, liegt das eher an euch, denn an der Führung.
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