Test: Assassin's Creed 4: Black Flag

Auch ein Pirat bleibt mal hängen
Zumal auch dieses Mal wieder Missionen gerne fehlschlagen, weil man unbeabsichtigt einen Baum hochgeklettert, an einem Seil hängen geblieben oder falsch abgesprungen ist. Und als ob die Entwickler genau das wüssten, setzen sie euch kaum 15 Minuten nach Spielstart euer eigenes Schiff vor die Nase. Denn eins ist klar: Richtig Spaß macht Assassin's Creed 4 erst auf dem offenen Meer. Wenn die Böen euch um die fettigen, zum Zopf gebundenen Haare wehen, eure Mannschaft ein Liedchen aus vergangenen Zeiten trällert und am Horizont eine fette Fregatte auftaucht, die zu entern das reinste Vergnügen ist.

Nochmal: Auf dem Meer lebt Assassin's Creed 4 richtig auf. Hier gibt es Wale zu jagen, gefährliche doch beeindruckende Stürme zu durchqueren, Wracks in wunderschöner Unterwasserumgebung zu plündern und Forts zu überfallen. Letzteres ist die beinah perfekte Verquickung von Seegefechten mit fließendem Kampf-Übergang an Land. Hier sei auch kurz die Story-Missionen erwähnt, in der ihr bei Nacht durch sumpfartige Gewässer ein kleineres Boot verfolgen müsst. Fliegender Wechsel zwischen Schiff und Parcours-Lauf an Land. Wie sagt man in Kreuzberg nochmal? Beste!



Es geht bei Black Flag vor allem um die Frage, wo man als Spieler seine Prioritäten setzt. Geht es mir um das Verfolgen der Story oder eher darum die Welt zu erkunden und feindliche Schiffe zu versenken? Spieler, die ausschließlich der Geschichte folgen werden irgendwann merken, dass das Aufrüsten der „Jackdaw“ - Edwards Schiff – und somit das absolvieren von Nebenaufträgen unausweichlich ist. Das nervt in diesem Fall, auch wenn die Checkpoints in den Missionen absolut ausreichend gesetzt wurden. Spieler, die vor allem entdecken und erforschen wollen, sollten weniger mit diesem Problem zu kämpfen haben, auch wenn sich z.b. die Assassinen-Aufträge und Kurier-Jagden stets wiederholen bzw. nach gleichem Schema ablaufen.

Wobei wir da zu einem Punkt kommen, der mich seit Teil ins stört: Es wird einem alles auf die Nase gebunden. Alles, wirklich ALLES ist auf der Karte markiert. Abgesehen von Schatzkarten eingezeichneten Fundorten muss ich nichts suchen, brauche nichts zu finden. Das Geheimnisvolle geht der Serie in diesem Belang komplett flöten. Das wirkt auf mich nicht wie eine Welt voller Ungewissheiten und verborgener Wunder, sondern um Beschäftigungstherapie. Und um das ganz klar von, sagen wir mal, einem GTA 5 abzugrenzen. Da gibt es erstens Dinge (Briefe, Raumschiffteile) die man tatsächlich finden MUSS, in dem man die Welt erkundet und zweitens ist an einem Golfplatz oder einem Stripclub auch nicht wirklich was mysteriöses.

02.12.2013 : Peter Lebrun