Am vergangenen Montag hatten wir die Möglichkeit, ein exklusives Telefon-Interview mit
Michel Cassius, seines Zeichens "Head of Xbox-Platform Europe", zu führen. Neben allgemeinen Fragen zur Xbox 360 und dem erweiterten Xbox Live, standen vor allem die neuen Jugendschutz-Funktionen der Konsole im Fokus unseres Gesprächs, denn gerade in Zeiten kontroverser Diskussionen zum Thema „Killerspiele“ (
siehe Editorial), will Microsoft mit der frisch eingeführten Konsolengeneration neue Wege gehen.
XboxFront:
Michel, zuerst einmal vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interviews, denn gerade so kurz nach der Markteinführung eines neuen Systems hat der „europäische Xbox-Chef“ doch sicherlich einiges zu tun.
Michel Cassius:
Ja, das stimmt allerdings. Ich bin seit 2001 bei Microsoft und habe neben der Xbox 360 bereits mit der Xbox einen erfolgreichen Konsolenlaunch miterlebt. In meiner Funktion als „Head of Xbox Platform EMEA“ bin ich neben Europa auch für den Mittleren Osten und Afrika zuständig.
XboxFront:
Das Thema „Jugendschutz“ ist momentan ein ganz heißes Eisen, denn immer wieder hört man davon, dass Spiele, die für Erwachsene entwickelt wurden, in die Hände von Kindern und Jugendlichen gelangen. Erst kürzlich wurde über den siebenjährigen Victor De Leon berichtet, der als jüngster Halo-Profispieler auf sich aufmerksam machte. Wie stehen Sie zu diesem Thema?
Michel Cassius:
Als Familienvater sehe ich dieser Tatsache sehr kritisch entgegen. In allen Ländern dieser Erde gibt es spezielle Ratings für Produkte der Film- und Videospieleindustrie und das erklärte Ziel dieser Ratings ist es, eine altersgemäße Einstufung der verschiedenen Medien zu erreichen. Dabei geht es primär nicht darum, speziell jüngere Spieler zu benachteiligen, sondern die obere Grenze auszuloten, um den jeweiligen Altersstufen den höchstmöglichen Spielspaß zu gewährleisten, ohne den Jugendschutz zu verletzen. Microsoft hat mit der Xbox 360 als erster Hersteller eine Konsole mit aktiven Jugendschutzfunktionen entwickelt, die es den Eltern ermöglicht dafür zu sorgen, dass ihre Kinder nur die Spiele spielen, die auch für ihr Alter zugelassen sind. Wir sind uns in unserer Position als global agierendes Unternehmen dieser Verantwortung sehr wohl bewusst und möchten auch beim Thema „Jugendschutz“ neue Wege gehen. Natürlich möchten wir niemanden „bevormunden“. Die Xbox 360 hat dieses System zwar integriert, ob es genutzt wird, bleibt dem jeweiligen Käufer überlassen.
XboxFront:
Wobei wir schon bei unserer nächsten Frage wären: Was bringt eine entsprechende Funktion, wenn diese nicht genutzt wird? Kann man den Eltern jugendlicher Gamer „abverlangen“, sich so weit mit dem Hobby ihrer Kinder auseinander zu setzen?
Michel Cassius:
Ich denke, dass sich viele Eltern der „potentiellen Gefahr“ nicht altersgemäßer Software bewusst sind. Natürlich sind ein großer Teil der Erziehungsberechtigten nicht unbedingt mit der Technik vertraut, weswegen wir diese Funktionen bewusst einfach gehalten haben. Man muss bei weitem kein Technikfreak oder Computerexperte sein, um diese Einstellungen vorzunehmen. Beim ersten Einrichten der Konsole hilft ein einfach gegliederter Assistent, alle relevanten Settings durchzuführen - ohne die „nicht-Techniker“ unter uns vor Probleme zu stellen.
XboxFront:
In wie weit greifen diese Einstellungen? Was genau kann ich mit der Jugendschutzfunktion erreichen?
Michel Cassius:
Wie bereits erwähnt, geht es darum, den Inhalt der Spiele für die jeweiligen Alterstufen anzupassen. Dabei gibt es eine Auswahl von Möglichkeiten, die dazu verhelfen, die Software selbst oder bestimmte Inhalte nach Belieben anzupassen. Man kann die Xbox 360 so einstellen, dass Softwaretitel nur dann abgespielt werden können, wenn sie eine entsprechende Alterseinstufung besitzen. In Deutschland sorgt beispielsweise die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ (USK) für eine entsprechende Einstufung.
XboxFront:
Die Xbox 360 erkennt also, welche Spiele für welches Alter geeignet sind…
Michel Cassius:
… falls diese Funktion aktiviert ist. Es geht aber nicht nur darum, die Games an sich einzuschränken, wir wollen auch sicherstellen, dass jüngere Spieler den Xbox Live-Dienst entsprechend genießen können. Da Xbox Live bei der Xbox 360 quasi direkt in die Konsole integriert ist, gibt es auch hier diverse Einstellungsmöglichkeiten. So kann ich als Elternteil oder Aufsichtsperson genau definieren, in wieweit Xbox Live genutzt werden kann. Bei der Xbox konnte man bereits kostenpflichtige Downloads via Xbox Live einzuschränken… bei der Xbox 360 ist es darüber hinaus möglich, das Online-Gaming genauso wie den Chat oder das Hinzufügen neuer Freunde ganz gezielt anzupassen. Natürlich sind auch diese Einstellungen sehr einfach zu handhaben und erfordern keinerlei technisches Grundwissen.
XboxFront:
Kann es nicht sein, dass Spieler sich durch diese Funktionen eingeschränkt fühlen? Welches Ziel verfolgt Microsoft mit dieser Politik?
Michel Cassius:
Zuerst einmal ist es ja nicht so, dass Microsoft irgendjemanden einschränken möchte, ganz im Gegenteil. Wie ich bereits angeführt habe, geht es darum, jeder Altersklasse das Optimum an Spielerfahrung zu bieten. Gerade das heiß diskutierte Thema „Killerspiele“ basiert häufig auf Berichten von Spielern, die nicht altersgemäße Spiele spielen. Durch diesen Umstand werden Videospiele und dessen Gamer oft als „schwarze Schafe“ der Branche bezeichnet. Microsoft möchte Eltern hier eine Möglichkeit bieten, aktiv in das Spielgeschehen ihrer Kinder einzugreifen, um einen entsprechenden Missbrauch auszuschließen. Weiterhin ist es nicht so, dass wir diese Vorgaben machen… die Alterseinstufungen werden von den entsprechenden Stellen - wie der USK - ermittelt. Wir bieten nur ein System an, diese Vorgaben bei Bedarf und auf Wunsch einzuhalten. Videospiele treten immer mehr in unser Leben und das Ziel, das Microsoft mit dieser Politik verfolgt, sollte klar sein: Wir möchten diese Branche auf lange Sicht hin weiter etablieren und das öffentliche Bild des Gamers weg vom „Killer“-Image bringen.
XboxFront:
Kurz noch zu einem anderen Thema: Mit der Xbox 360 hat Microsoft diesmal vor der Konkurrenz die neue Videospielegeneration eingeläutet. Was ist ihrer Meinung nach die größte Innovation, die die Xbox 360 bietet?
Michel Cassius:
Die Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, da es die Summe mehrerer einzelner Faktoren ist, die die Xbox 360 zu einer Innovation machen. Wenn ich mich dennoch entscheiden müsste, würde ich als erstes das „High Definition Gaming“ nennen. Die Möglichkeit, Konsolenspiele mit fantastischer Grafik und in HD-Auflösung zu spielen, oder via Media Center sogar Filme im entsprechenden Format zu streamen, ist für mich zweifelsohne der größte Schritt. Eine neue Konsolengeneration zeichnete sich bis dato immer durch einen enormen Sprung der grafischen Darstellung aus und diesen Test hat die Xbox 360 bereits mit Launchtiteln wie „Kameo“ oder „PGR3“ mit Bravour bestanden. Als Nächstes ist für mich der Xbox Live-Marketplace zu nennen, denn dieses Feature bietet Gamern und Spieleentwicklern wirklich eine tolle Plattform, um die Spielerfahrung noch zu erweitern. In Zukunft werden gerade hier noch viele innovative Möglichkeiten Einzug halten, die das Spielvergnügen noch weiter steigern werden. Als Drittes ist es klar der kabellose Kontroller… endlich ist das Kabel ab und erst jetzt merkt man, wie sehr es doch all die Jahre über gestört hat.
XboxFront:
Vielen Dank Michel, dass Sie sich so kurzfristig die Zeit genommen haben, unsere Fragen so ausführlich zu beantworten. Wir wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg und natürlich auch ein frohes und vor allem erholsames Weihnachtsfest.
Michel Cassius:
Gern geschehen… ebenfalls alles Gute von mir und vom gesamten Xbox-Team.