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Entwickler haben es schon nicht leicht. Neben ihrem täglichen Kampf um immer wieder neue Ideen, um besondere Locations und eindrucksvolle Kreaturen, die sie in die virtuelle Welt platzieren möchten, erwarten ihre Geldgeber auch noch das permanente Umsetzen diverser Filmvorlagen in möglichst gelungene Versoftungen. Leider bleiben dabei meist die Vorlage und das Flair des Films mehr oder weniger komplett auf der Strecke. Damit dies beim aktuellen Batman-Teil, dem Prequel Batman Begins, nicht passieren kann, hat Entwickler Electronic Arts höchstpersönlich Hand an das Fledermauskostüm gelegt und dem Flattermann virtuell neues Leben eingehaucht.
Die Vergangenheit ist seine Zukunft
Die Story, die hinter dem Film steckt, ist angelehnt an den aktuellen Kinofilm, dem Prequel zu den alten Batman-Teilen. Bruce Wayne, uns allen bekannt als Alter Ego des Mannes im Fledermauskostüm, muss mit ansehen, wie seine Eltern ermordet werden. Derart traumatisiert reist er durch die Welt auf der Suche nach einem Weg, Ungerechtigkeit zu bekämpfen und diejenigen das Fürchten zu lehren, die ihrerseits die Furchtsamen quälen.
Er kehrt nach Gotham zurück und enthüllt sein Alter ego: Batman, einen modernen maskierten Kreuzritter, der seine Kraft, seinen Intellekt und eine Vielzahl von Hightech-Geräten nutzt, um die finsteren Mächte zu bekämpfen, die die Stadt bedrohen.
Ich kämpfe also bin ich
Soweit zum Ausgangspunkt von Spiel und Film. Doch bevor ihr zum Helden mutiert, müsst ihr zunächst einmal – nach einer Spielsequenz in der Gegenwart - in einer Rückschau in die Vergangenheit reisen und in einem tibetanischen Kloster ein Tutorial absolvieren, das euch mit der Steuerung von Bruce und seinen Fähigkeiten vertraut macht.
Mit der A-Taste springt ihr, ein Doppelsprung funktioniert mit doppeltem A-Pressing. Die X-Taste benutzt ihr zum Aktivieren oder um durch Schlüssellöcher zu spähen. Der B-Button dient unter anderem dazu, um Ecken zu lugen. Natürlich kann Bruce / Batman nicht nur Dinge, die jeder x-beliebige Mensch zu leisten vermag. Dank geschickter Combos entwaffnet er Gegner, befördert sie ins Jenseits oder blendet sie mittels Granaten oder nebelt sie kurzerhand ein. Doch was wäre Batman ohne sein Cape, mit welchem er Adler-gleich durch die Lüfte gleiten und den Gadgets wie der Batterang und die Batgrapple, mit denen er schwer zu erreichende Höhen erklimmen kann!?
Was unseren Helden dabei so sympathisch macht, ist vor allem die Tatsache, dass er nicht über unrealistische Superkräfte verfügt, sondern mit Highecht-Spielereien im Stile eines James Bond agiert. Dafür steht ihm sein Getreuer Diener Alfred zur Seite, der ihn mit so mancher Finesse und einem wahnsinnig schnellen Batmobil versorgt. Denn nicht alle Feinde lassen sich auf die handelsübliche Weise entsorgen. Einen Teil – insbesondere lästige Polizisten - müsst ihr in Burnout-Manier mit eurem Fahrzeug von der Strasse fegen. Dabei steuert sich der Wagen absolut präzise und mittels Nitro-Power-Ups seid ihr jederzeit King of the Road. Doch Achtung: Wer zu hart gegen die Flora oder Gegner rammt, verliert an Armor. Da die Wege jedoch relativ großzügig gestaltet sind, sollte euch dies keine Sorgen bereiten.
Tritt, Box, Kick, schnarch!
Viel mehr könntet ihr von den einzelnen Levels genervt sein. Denn wer das Tutorial hinter sich gelassen hat, der hat bereits die gesamte Spielmechanik erlebt. In allen Levels trefft ihr auf eine gewisse Gegnerschar – mal bewaffnet, mal nicht – die ihr ins Nirvana befördert. Dabei beschränkt sich das Spiel auf wenige Attacken, Kontermoves und zwei bis drei unterschiedliche Finishingattacken. Diese werden in einer kleinen In-Game Sequenz dargestellt.
Doch habt ihr euch wohl bereits nach Level Zwei daran satt gesehen. Auch der Aufbau der einzelnen Levels ist extrem linear. Betretet ihr einen Raum, zeigt euch das Baticon, wo ihr wie interagieren könnt. Durch Druck auf den entsprechenden Button, führt euer Alter Ego die passenden Befehle aus. Das erleichtert in der Action zwar einiges, führt auf Dauer allerdings zu Ermüdungserscheinungen. Auch die jeweiligen möglichen Kampfaktionen werden vorgeschlagen, müssen allerdings nicht notgedrungen vollzogen werden. Den Vogel schießen die Leveldesigner mit der Vorgehensweise zur Bewältigung eines Spielabschnittes ab. Zwar schleicht ihr in der Regel wie Sam Fisher durch die Räume oder Hinterhöfe und könnt euch geschmeidig an Zäunen und Rohren entlang und auch mal kopfüber hangeln. Doch gibt es fast ausschließlich einen, wenn das Programm gnädig ist auch mal zwei, Vorgehensweisen. Hier wurde mächtig viel Potential und Freiraum dem Spiel beziehungsweise Spieler am Gamepad genommen. Warum muss man bei jeder Aktion quasi mit der Nase auf die Lösung gestoßen werden? Warum ist nahezu jedes Rätsel aus dem Buch einer Vorschule entnommen? Fragen, die gestellt werden müssen.
Des Weiteren ist kaum nachzuvollziehen, warum Gegner immer erst erschreckt werden müssen, um ihre Waffen ruckartig fallen zu lassen, damit ihr sie beseitigen könnt. Somit wisst ihr beim Blick durch eine Tür genau, dass es einen anderen Weg als die direkte Konfrontation geben muss. Kleines Beispiel: Wenn ihr euch in der Irrenanstalt befindet, müsst ihr, nachdem ihr eine weibliche Geisel befreit habt, fliehen. Da das gesamte Gebäude allerdings von Polizisten mit MGs bewacht ist, gibt es nur die Möglichkeit, an den Suchscheinwerfern vorbei, über Dächer hin zur anderen Gebäudeseite und ab durch die Mitte.
Und auch sonst wurde der Schwierigkeitsgrad, bis auf wenige Ausnahmen, eher für das jüngere Publikum konzipiert. Schlösser sind mit Timing-Einsatz zu knacken, ähnlich wie Hacks an Computerterminals. Ein Missionsbuch speichert automatisch Informationen wie Schlössercodes, die ihr aus mürbe geschlagenen Opfern herauspresst. Alles Dinge, die euch zwar das Leben vor dem Bildschirm erleichtern – manchmal jedoch ein wenig zu Viel.
Gewalt ist keine Lösung!?
Dass Batman kein Freund von Waffengewalt ist, werden sogar Unkundige bald herausfinden. Zwar wendet er im Notfall schon Gewalt an (und dieser Notfall geschieht recht oft), doch dank oftmals strunzdummer KI hat er es nicht wirklich schwer. So haben auch Gelegenheitsspieler bereits nach etwa 10-12 Spielstunden die Credits gesehen und sind sicherlich enttäuscht, dass der Ausflug der Fledermaus zu knapp geraten ist. Denn selbst das Ende kommt abrupt und haut wohl keinen aus dem heimischen Sessel. Auch die eingestreuten Filmschnipsel, die der Handlung mehr Fragen als Lösungen geben, können kaum darüber hinweg trösten.
Einen Multiplayer wie in Genrekonkurrenten heute nahezu schon zum Standard gehörig, brachte Electronic Arts leider nicht mehr unter. Dafür dürft ihr euch, wie auf einer Special DVD zahlreiche Infos, Artworks und Szenen rund um Spiel und Film ansehen. Virtuelle Werbung par excellence.
Gut gemacht ist hingegen die Option, in der ihr mit dem Batmobil auf zwei umfangreichen Strecken antreten dürfr und im Time-Attack und Missionsmodus die beiden Fahrmissionen des Spiels noch mal fahren dürft. Zur Auswahl stehen dabei das original Batmobil und ein geplanter Alternativtyp, der es allerdings nicht in den Film geschafft hat.
Wenn wir über die Minuspunkte des Spiels reden, müssen wir leider auch die verkorksten Savemöglichkeiten herausstellen. In fast schon EA-typischer Manier ist nämlich mal wieder kein Quick-Save Modus eingebaut. Nur an wenigen Checkpoints speichert das Spiel automatisch zwischen. Erst am Ende der großen Levels ist es möglich, den Verlauf zu speichern. Ärgerlich: In unserer Testversion wurden wir, nachdem wir die Xbox ausgeschaltet hatten, beim erneuten Besuch in Gotham City und dem Laden des letzten Checkpoints komplett an den Levelanfang inklusive nicht abkürzbarer Zwischensequenz gesetzt. So vergrault man selbst motivierte Spieler.
Einmal Flattermann schön-schaurig bitte
Den größten Unterschied zu allen bislang veröffentlichten Batman-Titeln bietet weniger das Spiel, als die teilweise fantastische Grafik. Das beginnt bei den aufwendig modellierten Charakteren, die ihren Vorbildern wie Michael Caine, Liam Neason oder auch Gary Oldman und Morgan Freeman nahezu aus dem Gesicht geschnitten sind. Auch die Bewegungen wirken sehr realistisch, vor allem die einzelnen Kampfhandlungen. Hinzu kommen traumhafte Settings, wie Gotham City mit phänomenalem Weitblick bis in die tiefsten Schluchten und einem Mond, der sogar den legendären Mond von Wanne-Eickel in den Schatten stellt. Schönere Level hat es selten gegeben.
Und schließlich wären da noch die unwahrscheinlich real gemachten Feuereffekte, die euch entgegenschlagen, sowie fulminante Explosionen, die sich hinter den aktuellen Referenzen keinesfalls verbergen müssen. So viel zur „Haben“-Seite. Doch wo viel Licht, da auch Schatten. So wirken manche Texturen ein wenig verwaschen und matt und auch einige Kanten und Fassaden recht klobig. Aber alles in allem macht Batman Begins einen hervorragenden optischen Eindruck. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist das Geschwindigkeitsgefühl während der – leider viel zu seltenen - Fahrmissionen (derer gibt es wie bereits erwähnt, lediglich zwei im gesamten Spiel). Dank Unschärfefiltern und anderen technischen Spielereien habt ihr wirklich das Gefühl, in einem PS Monster zu sitzen. Apropos Monster: Während eures Kampfes gegen dunkle Schergen und Anstaltsinsassen könnt ihr nahezu in jeder Situation die Kamera frei drehen und habt somit stets das ganze Geschehen im Blickfeld. Feinde werden, ebenso wie wichtige Objekte, automatisch markiert.
Aber was wäre die ganze grafische Effekthascherei ohne die nötige Akustik? Während der orchestrale Klangteppich zu Beginn abwechslungsreich scheint und sich situationsbezogen anpasst, wird er bereits vor der Hälfte des Spiels eher nervig als nervenaufreibend. Anders sieht das hingegen bei der Spitzenleistung der Synchronsprecher aus. So konnten für die gesamte Lokalisierung sämtliche Originalsprecher gewonnen werden. Gleiches gilt übrigens auch für die deutsche Synchro, die allerdings nicht ganz an das englische Original heranreichen kann. Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte seine Xbox daher lieber auf die Heimat-Sprache der Xbox umstellen.
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