| |

Im Voraus wurde viel über den Shooter von Criterion, den Machern der Burnout-Reihe berichtet. Man sprach von einer Revolution im Ego-Shooter Genre, seit einiger Zeit ist nun Black im Handel erhältlich, die Xbox Version musste für unser Review herhalten. Ob hinter diesem hoch gelobten Titel wirklich der Shooter schlechthin steckt oder nur ein weiterer Vertreter des Actiongenres, wollen wir nun klären.
Wirre Story mit grandioser Optik
Worum es in Black geht, lässt sich im Grunde in einem Satz abhandeln: Um eine gewaltige Ballerorgie. Dahinter versteckt sich zwar eine Art Minigeschichte, diese kann man aber ziemlich getrost ganz links liegen lassen. Dem Namen entsprechend spielt man einen Black-Agenten der USA und jagt einem Landsmann nach, davon handeln zumindest die ziemlich nichts sagenden und mit Namen um sich werfenden Zwischensequenzen in einem Verhörzimmer, in welcher der Spieler seine Geschichte Revue passieren lässt.
In Sachen Optik wurde allerdings nicht zu viel versprochen, die Entwickler von Criterion haben aus der Xbox noch einmal alles herausgeholt. Nahezu jedes Objekt lässt sich in den Levels in Einzelteile zerlegen, egal ob Fässer, hochexplosive Gasflaschen, die halbe Türme zum Einsturz bringen, oder einfach normale Fenster, Türen, Schilder und Unzähliges mehr. Natürlich lässt sich davon sogar Gebrauch machen und man kann so die Feinde auf viele verschiedene Arten ausschalten. Dies ist zum Teil auch durchaus nötig, da sich einem extreme Massen an Feinden entgegen werfen.
In Interviews war oft davon die Rede, dass im Mittelpunkt des Shooters eindeutig die Waffen stehen und so werden diese auch in Szene gesetzt. In Nachladesequenzen der Schießprügel wird ein Unschärfeeffekt der Umgebung angelegt und auf die Waffe herangezoomt. Sämtliche Modelle der Waffen wurden sehr gut umgesetzt, ebenso ihre Vertonung, die es kräftig durch die Boxen knallen lässt.
Mittendrin statt nur dabei
Eine Revolution stellt Black leider wirklich nicht dar, denn wer sich den Titel zulegen will, muss sich einer Tatsache bewusst sein: Hier handelt es sich schlichtweg um einen alles zerlegenden Shooter, welcher sich auch selber nicht so ganz ernst nimmt. Wer also Filme wie Rambo gemocht hat, sollte auch mit Black klar kommen. Bereits im ersten Level wird einem das ganze mehr als bewusst. Feinde springen über Dächer auf den Boden und eröffnen aus allen Richtungen das Feuer auf die eigenen Leute.
Fensterscheiben gehen in verschwenderischer Menge in die Brüche, Mauerstücke, Türen und Autos fliegen nur so durch die Lüfte. Partikeleffekte und Explosionen am laufenden Band sind garantiert. Während man durch die Level streift, werden die einzelnen Primär- und bei höherem Schwierigkeitsgrad auch die Sekundärziele aktualisiert; diese sind nie sonderlich anspruchsvoll. Meist geht es einfach nur darum, einem bestimmten Weg, wobei es durchaus mehrere Möglichkeiten gibt, zu folgen und alles was sich einem in den Weg stellt zu beseitigen.
Ernüchterung tritt auf den Plan
So schön sich das ganze eigentlich spielt, fallen doch ein paar negative Punkte schwer ins Gewicht. So kommt es sehr oft vor, dass man sich dabei erwischt, selbst aus nächster Nähe ein ganzes Magazin in einen Feind zu jagen, denn dieser scheint wohl doch eine arg starke schusssichere Weste zu besitzen. Kopfschüsse helfen hier, allerdings sind die Trefferzonen nicht gerade genau, was das Ganze nicht zwangsläufig einfacher gestaltet. Ein Grund mehr, öfter die Umgebung zur Hilfe zu benutzen, um sich der Feinde zu entledigen. Sämtliche Levels wurden im Grunde abwechslungsreich gestaltet, mal ist man in Städten und Gebäuden unterwegs, dann in einem hübschen Wald, der mit Lichteffekten und passenden Geräuschen nur so glänzt. Der negative Punkt ist hier ganz klar eine fehlende Karte, da die Areale sehr großzügig angelegt wurden, hinzu kommt ein absolut untaugliches Speicherpunkte-System.
Der Spielspass leidet nämlich darunter, wenn man nach 30 Minuten umherlaufen einen Sniper nicht gesehen hat und daraufhin wieder das Ganze von vorne erleben darf, samt der nicht abbrechbaren Videosequenz vor Levelstart. Auch nachdem man ein Primärziel erledigt hat, wird nicht etwa gespeichert - nein, nur an den seltensten und relativ unwichtigen Abschnitten in den durchaus an eine Stunde dauernden Levels.
Stimmung und Umfang des Gun Pornos
"Komische Überschrift", wird der ein oder andere denken, allerdings bezeichnen die Entwickler von Black, Criterion Games, ihr Machwerk als solches, da wie angesprochen die Waffen im Mittelpunkt stehen. Entsprechend hat man auch auf übertriebene Schießeisen verzichtet, neben Sturmgewehr, Pistole mit Schalldämpfer und Schrotflinte, findet man noch eine Sniper Variante und den obligatorischen Raketenwerfer. Abgesehen von der Handfeuerwaffe lässt sich maximal nur eine andere Waffe mit herumschleppen, hier setzt man also aus irgendeinem unverständlichen Grund etwas mehr auf taktische Auswahl.
Die langen Levels wurden ja bereits angesprochen, allerdings gibt es von eben diesen nur acht Stück. Je nach eigenem Können hat man Black trotz der Tatsache, dass es alles andere als leicht ist, in der Regel in unter 10 Stunden reiner Spielzeit durchgespielt. Manche reden sogar davon, dass man es in unter 5 Stunden absolvieren könne. Für echte Shooter-Experten auf Konsolen wohl durchaus machbar.
Soundtechnisch überzeugt der Ego-Shooter dafür wieder genauso wie grafisch. Sämtliche Explosionen und Waffenfeuer klingen durchweg sehr gelungen. Zwar ist die Musik mit durchaus bemerkenswertem Aufstand entstanden, nur leider kommt diese viel zu selten und kurz zum Einsatz, was sehr zu bedauern ist. Dafür lässt sich aber der eigene Soundtrack im Spiel nutzen, was für Shooter nicht normal ist.
Koop- oder Xbox Live-Abenteuer?
An dieser Stelle würde nun normalerweise der - oftmals positive - Aspekt eines Shooters auftauchen, anders bei Black. Nach dem sehr kurzen Singleplayer-Modus ist Schluss mit dem Spiel - kein Kooperationsmodus, kein Splitscreen, keine Onlinegefechte, gar nichts. Zwar kann man die vier verschiedenen Schwierigkeitsgrade abklappern (was weder Sinn noch sonderlich Spaß bereitet, da sich Missionstechnisch rein gar nichts verändert) aber dabei schaltet man nicht einmal Bonusmissionen frei. Einziger Unterschied: Ab dem normalen Schwierigkeitsgrad hat man Sekundärziele zu erfüllen, welche das Spiel oder die Missionen aber nicht wirklich verändern.
Jetzt diesen Artikel bestellen
Diesen Artikel im Forum diskutieren |
|