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Es gibt Spiele, die sind eine Legende. „Wing Commander“ war in den 1990ern sicherlich einer dieser Titel. Die Mischung aus Spielfilmsequenzen, gemischt mit Flugaction, begeisterte weltweit Millionen Fans. Einen ähnlichen Weg ging vor knapp zwei Jahren das deutsche Entwicklerstudio Yager Development. Inspiriert vom PC und den „Wing Commander“-Teilen erschufen sie eines der wohl besten „Flugspiele“, die bislang auf Microsofts Xbox erschienen sind. Für alle, denen „Yager" bislang unbekannt war, hier nun unser „Classic“-Test.
Tide is high
Die Story rund um „Yager“ ist im 21. Jahrhundert angesiedelt und spielt auf unserem Heimatplaneten. Freelancer Magnus Tide, euer virtuelles Alter Ego, ist ein geschasstes Mitglied der so genannten Proteus Corporation. Nachdem Tide sich mehr schlecht als recht selbständig gemacht und ein recht eintöniges Dasein in der Freihandelszone gefristet hatte, beruft ihn sein ehemaliger Chef zurück, um ihm und seiner Firma aus gewissen Unannehmlichkeiten zu helfen. Mehr als überrascht und irritiert, begibt sich Magnus auf den Weg zu seiner „Heimat“. Nun ist es an unserem Held, die Trumpfkarten gegen die Corporation auszuspielen, denn er scheint eindeutig in der besseren Position zu sein.
Fly to the Stars
Bei seinen Missionen für die Corporation bedient sich euer Held eines Hightech Raumgleiters. Die LR-4004 Archer ’Sagitarius’, eine Mischung aus Flugzeug und Hubschrauber, kann von euch auf verschiedene Weise bedient werden. Mit dem linken Ministick fliegt oder schwebt euer Gefährt. Über den rechten Stick führt ihr Roll- und Ausweichmanöver durch. Die beiden Schultertasten dienen dem Schub und dem Geschütz. Ein Druck auf die Buttons löst die Zielaufschaltung aus, wählt die Waffe aus beziehungsweise aktiviert den Landungsmodus. Dank mehrerer Kamerapositionen, welche über das Kreuz selektiert werden können, habt ihr immer volle Kontrolle über das Geschehen rund um euer Flugzeug. Da die Steuerung eurer Maschine anfangs nicht unbedingt leicht erscheint, haben die Entwickler das Tutorial gleich in die Story eingebettet. Ihr werdet, kurz nach dem Intro, von einer guten alten Bekannten in der Freihandelszone begrüßt. Dass die beiden sich näher stehen, als die Lady zunächst zugeben will, wird schnell klar. Doch wie alles miteinander zusammenhängt, erzählt die Geschichte innerhalb der Levels und in den Sequenzen. Doch aller Anfang ist hart. Nachdem ihr das Training abgeschlossen habt, werdet ihr auf eine erste Mission geschickt, die Tide zunächst mehr langweilen also zu interessieren scheint. Dies ändert sich allerdings schnell. Denn Action gibt es bei „Yager“ nahezu am Fließband. Ein riesiger Kreuzer, der anscheinend unbemannt ist, trudelt langsam auf die Erde zu und soll von Magnus zerstört werden, noch ehe er das Festland erreicht, um nicht unnütz Zivilisten zu gefährden. Im weiteren Spielverlauf müsst ihr Gegnerbasen infiltrieren, Wege für Konvois räumen oder auch Minen orten und zerstören. Doch nicht nur der Flieger ist euer Zuhause. Auch einige Missionen in denen ihr ein Geschütz als Quasi-Flak benutzt, stehen auf dem Programm. Erfolgreich absolvierte Aufgaben bringen euch Upgrades für euer Flugzeug und zusätzliche Munition. Neben den eigentlichen Levelmissionen stehen auch etliche Nebenquests an, die ihr zusätzlich lösen könnt. So werden die rund zwanzig Level auch nie zu einem langweiligen Unterfangen – im Gegenteil.
Bring mir mal Popcorn mit!
Wie bereits erwähnt, werden die einzelnen Levels und Missionen durch eine umfangreiche, ja nahezu kinoreife, Story erzählt. Neben Gesprächen, die Magnus Tide mit sich und den zwanzig anderen Charakteren, auf die er im Laufe seines Abenteuers trifft, führt, treten einzigartige Zwischensequenzen in Spielgrafik. Spannend erzählt und glaubwürdig präsentieren uns die Mannen von Yager Development den Hauptcharakter als Mensch mit Ecken, Fehlern und Kanten, der aber auch versucht, aus seinen Fehlern zu lernen und gleichzeitig die coolste Sau in Town zu sein. Eben mit zahlreichen (ungeahnten) Facetten. Das ist ganz großes Kino made in Germany.
So reizt man Technik aus
Neben einer ansprechenden Optik, setzt „Yager“ vor allem aufs Aussehen. Und das lässt dem Spieler so manches Mal die Kinnlade herunterklappen. Das fängt bereits bei dem opulenten Intro an. Die unterschiedlichen Fluggefährte strotzen nur so vor Detailverliebtheit und Einfallsreichtum. Überall passiert irgendetwas, sodass ihr das Gefühl bekommt, die Welt lebt. Hier bewegt sich ein Kran, da blinken Lichter. Wer in der ganzen Hektik und Kampfaction kurz Zeit findet, sich die Landschaft anzuschauen wird vor allem zwei Dinge feststellen: Die Weitsicht hat ihren Namen absolut verdient. Auch auf scheinbar mehrere hundert Meter Entfernung erkennt ihr nahezu jeden Gegenstand. Brillant auch die Echtzeitschatten, sowie ein unglaublich realistisch wirkendes Wasser, welches vom Überfliegen sich aufkräuselt. Auch an Tages- und Nachtzyklen, einen sich bewegenden Himmel (der sich so wie alle anderen Objekte auf der Wasseroberfläche spiegelt) und verschiedene Wettereffekte, haben die Entwickler gedacht, um einen hohen Realismusgrad anbieten zu können. Ganze Arbeit wurde auch bei den Gegnern geleistet. Diese –meist relativ schlau agierenden- Feinde stürzen, nachdem ihr sie unter Beschuss genommen habt, nicht einfach ab, sondern beginnen zunächst einmal zu brennen, um sich dann nach und nach in ihre Einzelteile „aufzulösen“, die dann auf den Boden schlagen.
Knallebumm!
Doch nicht nur in Punkto Grafik liefert uns der Titel Feinkost. Auch der Sound lässt euch mit der Zunge schnalzen. Wer über eine Dolby Surround Anlage verfügt, wird sich beinahe wie in einem großen Kinosaal fühlen. Wenn ihr von zahlreichen Gegnerscharen angegriffen werdet, hört ihr sofort, aus welcher Ecke diese angeflogen kommen und euch ins Visier nehmen. Die Explosionen und Feuergeräusche sind ein wenig mager ausgefallen und werden zum Teil durch die orchestrale Spielmusik „geschluckt“. Die Sprachausgabe kann größtenteils durchaus überzeugen, denn nahezu alle Sprecher gehen mit Begeisterung ans Werk. Vor allem Magnus Tide kann mit seinen frech-sarkastischen und manches Mal sogar recht zynischen Kommentaren absolut überzeugen. Was den gesamten Spass an "Yager" ein klein wenig trübt, ist dass die Entwickler keinen Multiplayer-Modus mit eingebaut und somit gerade Fans diverser Splitscreen- oder Onlineschlachten die Freude verdorben haben. Hier hätte man eindeutig mehr machen müssen und können.
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