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American Mc Gee ist bekannt für seine verrückten Ideen. Nachdem er vor Jahren die „wahre“ Geschichte der Alice im Wunderland für den PC umsetzen ließ und damit für zahlreiche Fans auch für viel Diskussionsstoff sorgte, weil seine Alice kein liebenswürdiges, süßes Mädchen, sondern eher ein zutiefst traumatisiertes und gestörtes Kind war.
Nun geht American mit seinem jüngsten Werk „Scrapland“ einen anderen Weg. Weg von düsteren, beklemmenden Szenarien und hin zur farbenfrohen und familiengerechten Adventure-Unterhaltung. Doch wer Mc Gee kennt, der weiß, dass die Charaktere in „Scrapland“ auf ihre Art etwas Außergewöhnliches sind. Wieso verrät euch der Test.
Wer nichts wird, wird...Reporter
Die Story von „Scrapland“ ist eigentlich schnell erzählt: Ihr schlüpft in die (Blech-)Haut von D-Tritus, einem jungen und dynamischen Roboter. Wie jeder Junge seines Alters, träumt auch D-Tritus vom Ruhm und Erfolg. Doch leider verläuft sein Leben momentan alles andere als gut. Recht erfolglos landet er bei seiner Suche nach Anerkennung eines Tages auf dem Planeten „Scrapland“. Hier gibt es keine Menschen. Denn Menschen sind in ferner Zukunft etwas Schlimmes, Nervendes und überaus Böses für die Roboterzunft. Damit D-Tritus sich seine Wünsche auf „Scrapland“ erfüllen kann, benötigt er natürlich einen Beruf. Doch der örtliche Job-Vermittler ist fast komplett ausgebucht. Lediglich eine Stelle als Reporter kann er unserem Helden anbieten.
Doch entpuppt sich diese Offerte schneller als D-Tritus lieb ist als absolute Herausforderung. Denn bald schon passieren mysteriöse Morde, die ein Irrer in „Scrapland“ anrichtet. Doch wie können Blechbüchsen mit Schaltkreisen ermordet werden? Ganz einfach: Alle Roboter auf dem Planeten sind in der „Großen Datenbank“ eingespeist mit ihren individuellen Fähigkeiten. Sollte ihnen irgendetwas passieren, können sie sofort wieder hergestellt – sozusagen resettet - werden. Fehlen diese „lebenswichtigen“ Informationen, ist es allerdings selbst der „Großen Datenbank“ nicht mehr möglich, den Roboter wiederherzustellen.
Doch wer ist der ominöse Killer? Und warum will er die Roboter vernichten? Fragen, denen ihr euch im Spielverlauf stellen werdet.
Von verrückten Spielern...
Das Besondere an „Scrapland“ sind seine vielen neuartigen Ansätze. Da wäre der bereits erwähnte Punkt, dass euer Alter Ego im klassischen Sinn nicht sterben kann. Dies ist gerade für Neulinge besonders reizvoll und entspannend. Besonders reizvoll auch die Möglichkeit, euch in verschiedene Mitbürger von „Scrapland“ morphen zu können. Dank der Fähigkeit von D-Tritus, sich auf mehr oder minder legale Weise Zugang zur Datenbank verschaffen zu können, speichert er die Informationen einfach auf seiner Matrix ab. So kann D-Tritus sich an Wachen vorbeischleichen, neue Ecken des Planeten erforschen und vieles andere mehr.
Insgesamt fünfzehn verschiedene Charaktere stehen euch im Verlauf des Spiels zur Verfügung. Neben der eigentlichen Story erwarten euch allerlei Aufträge und Missionen. Diese werden euch in den allermeisten Fällen vom „verrückten Spieler“ mitgeteilt. Dieser ziemlich durchgeknallte Roboter bietet euch nämlich Wetten an. Meistens bewegen diese sich zwischen: Stehle Fahrzeug A, erledige Charakter B oder finde Gegenstand C. Habt ihr die Wetten gewonnen, winkt euch zur Belohnung Geld. Denn auch in „Scrapland“ lautet die Devise: Nur Bares ist Wahres.
...und durchgeknallten Freunden
Von diesem Geld kauft ihr Konstruktionspläne, mit denen ihr neue Schiffe zusammenstellt. Genau! Ihr habt richtig gehört. Denn auf der riesigen Oberfläche des Planeten seid ihr nicht nur per Pedes, sondern vor allem in mehr oder weniger imposanten Raumgleitern unterwegs.
Wer keine finanziellen Möglichkeiten hat, bedient sich GTA-like auf etwas kleinkriminelle Art an den hiesigen Fahrzeugen und stiehlt sie dem rechtmäßigen Besitzer unter dem Allerwertesten einfach weg. Da „Scrapland“ eine gigantisch große Welt ist und ihr nahezu jeden Winkel selbst erkunden könnt, haben sich die Entwickler neben den Raumschiffen auch noch eine weitere Transportart ausgeguckt. Ähnlich wie seinerzeit bei „Mafia“ mit der S-Bahn, könnt ihr mit einer Art „Wuppertaler-Schwebebahn“ durch das Spieluniversum kreuzen.
Oben ist unten und unten ist egal
Was mich bei „Scrapland“ am meisten wurmt, ist die teilweise extrem ungenaue Steuerung. Allzu oft schlingert ihr durch die Gassen mit eurem Flieger und auch die Lauferei hat eher etwas von einem Happy-Hour-Kneipenbesucher nach Genuss von zuviel Alkohol, als von sauber programmiertem und geschmeidigem Handling. Die Blechbüchse mit Beinen schwankt mehr als ein Schiff bei Windstärke 10. Auch die Waffen, welche D-Tritus an Bord hat, treffen nicht immer exakt ins Ziel, was gerade im Eifer des Gefechts ein Manko ist. Manches mal könnte man das Gefühl bekommen, dass die Entwickler sich eine Scheibe zuviel von Produkten wie „Driv3r“ abgeschnitten haben.
Der Multiplayer von "Scrapland" ist gut gelungen, wenn auch für diesen Titel etwas außergewöhnlich.
Insgesamt gibt es vier verschiedene Spieltypen. Im "Death Match" erhaltet ihr für jeden getöteten Gegner einen Punkt. Wenn ihr hingegen getötet werdet, wird euch je ein Punkt abgezogen. 13 Karten stehen euch dabei zur Verfügung.
"Flag Hunt" dürfte ebenfalls allen Spielern bekannt sein. Pro Flagge gibt es einen Punkt. Schießt euch euer Gegner ab, verliert ihr wieder einen. Sieger ist derjenige, mit den meisten Punkten. Die Karten sind dieselben.
"One Flag" ist der dritte Modus. Inhaltlich ist es das beliebte "Capture the Flag". Eine Flagge muss an einen vorgegebenen Ort gebracht werden. Pro Flagge ein Punkt. Sieger ist der mit den meisten Punkten. Hier gibt es leider lediglich zwei Maps zu spielen.
Und last but not least: Das Rennen durch die Wegpunkte. Gespielt wird hier wieder auf 13 Karten.
Space Taxi ohne Sky
Wenn man auf der Verpackung von „Scrapland“ liest, dass das geniale Hirn hinter dem Werk kein geringerer als Spiele-Legende American Mc Gee ist, dann denkt man natürlich an grafisch spektakuläre Titel wie seinerzeit „Alice“ für den PC. Schaltet man dann die heimische Xbox an, strahlen einem zunächst einmal die bunten Levelarchitekturen der Spielewelt entgegen. Detailverliebte Space Taxis, Raumkreuzer und diverse andere Fahrzeuge, Wolkenkratzer im Stil von New York mit hochauflösenden Texturen und liebevoll gestaltete Figuren hauchen dem Planeten Leben ein. Hinzu kommt, dass scheinbar zu jeder Zeit und an jedem Ort irgendetwas passiert. Dadurch bekommt ihr beim Spielen das Gefühl, dass „Scrapland“ ein Eigenleben besitzt. Dass ab und an minimale Ruckler entstehen, lässt sich absolut verschmerzen, zumal diese kaum spürbar ins Gewicht fallen.
Anders sieht es da schon bei der Akustik aus: Präsentieren sich die Sprecher nahezu allesamt motiviert und verleihen ihren jeweiligen Charakteren ihre persönliche Note und ihren eigenen Charme (in unserer Version noch in Englisch), so hapert es leider in Sachen Musik. Die wenigen Tracks, welche „Scrapland“ spendiert wurden, lassen sich unter die Kategorie „auf die Dauer eintöniges Gedudel“ fassen. Warum wird gerade bei einem so wichtigen Atmosphärepunkt gespart, liebe Sounddesigner? LucasArts macht doch eindrucksvoll vor, wie ein Spiel zu klingen hat. Doch durch die pausenlose Action, die euch vor dem Bildschirm hält, dürfte dieses Manko nicht allzu sehr stören. Wozu gibt es schließlich regelbare Lautstärken?
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